Gesichter einer Szene No.11

Naturverbunden

Gesichter einer Szene_Köter 1

Mit Köter treffe ich mich an einem Samstag in Cottbus. Der Plan ist an den Madlower See zu fahren. Das Wetter wünscht man sich zwar wärmer als um die 5°, aber es regnet nicht. Auf der knapp 20-minütigen Fahrt von unserem Treffpunkt aus kommen wir natürlich sogleich ins Gespräch, dazu muss ich sagen, dass ich Köter eher nur vom Sehen her kenne, was für die anderen Teilnehmer der Serie bisher nicht der Fall war, die meisten kenne ich schon länger, teils sehr gut. Aber das soll der Sache keinen Abbruch bereiten. Vom Parkplatz ist es ein kleiner Fußmarsch bis an den See, welcher quasi am östlichen Rand in Cottbus liegt, mitten im Volkspark Cottbus…ich war vorher noch nie hier.

Wir gehen zu einer Art befestigte Uferstelle, die mir für unser Vorhaben passend scheint. Ich sah zwar auf Fotos im Netz noch recht ansprechende verlassene Bauten rund um den See, diese sind aber leider ziemlich weit weg, und das will ich mir mit dem Gepäck dann doch nicht antun. Während ich aufbaue, erzählt mir Köter, warum er gern genau an diesem See die Fotos machen wollte. Er liebt die Abgeschiedenheit und Ruhe in der Natur, die man hier auch meist im Sommer finden kann. Und genau diese Ruhe half ihm in den harten Abschnitten, die sein bisheriges Leben zu einem nicht unbeträchtlichen Teil für ihn bereithielt, wieder auf die Füße zu kommen. Was mir Köter darüber erzählt, lässt mich auf seltsame Weise entrückt und manchmal kopfschüttelnd vor ihm stehen. Die Kamera benutze ich derweil kaum, es war einfach nicht angebracht. Erst als unser Gespräch sich wieder mehr um Musik dreht, prüfe ich zwischendurch wie ich ihn fotografieren will. Ein Leben ohne Musik wäre für ihn überhaupt nicht vorstellbar. Er liebt Musik über alles und in vielfältigsten Formen. Ohne Scheuklappen überschreitet er dabei musikalische Grenzen und findet neue Inspiration und Kraft, denn so ein Leben kann oft verdammt schwer und gemein sein. Langsam zieht die Kälte mehr und mehr auf uns. Wir packen und laufen zurück zum Parkplatz. Im Auto füllt mir Köter den Fragebogen aus. Als ich ihn später in seiner Gegend absetze, bedanke ich mich für das Gespräch und sage ihm, dass ich wirklich dankbar bin, bisher so viel Glück in meinem Leben gehabt zu haben, denn ich glaube schon, dass es Glück ist, wenn man vielleicht nicht falsch abgebogen ist, denn wer weiß schon, was hinter dieser oder jenen Abbiegung auf einen wartet, um „richtig“ entscheiden zu können…

Steckbrief:

Köter (30) Kaufmann

Woran erkennt man, dass das, was man in der Erinnerung für seine eigene „Initialzündung“ für harte Musik hält, auch tatsächlich selbige war? Na, vielleicht daran, dass sie wie bei Köter so komisch absurd über die berüchtigten „fünf Ecken“ gekommen ist. Aber der Reihe nach.

Groß geworden unter Punks, am Rande eines riesigen Tagebaus in Welzow, ging es vordergründig darum Spaß zu haben und anständige Bürger zu verschrecken. Jedoch warteten hinter den gewissen „fünf“ Ecken schon neue spannende Sachen darauf entdeckt zu werden. Alsooo…die Schwester seines damaligen Nachbarn kam just dieser Tage zu einem Praktikum bei dem im Untergrund schon damals angesehenen Label „MORBID RECORDS“, was darin mündete, dass der junge Köter von ihr die CD „Surgical Disembowelment“ von DEAD INFECTION zugespielt bekam, welche ihn derart begeisterte, dass sie nicht nur in der sprichwörtlichen Heavy Rotation lief. Es war das Sprungbrett in die Black Metal Szene, die nun schon 22 Jahre sein Zuhause ist. Zum Konsumieren von Musik gesellte sich später das aktive Musikmachen. Und so stehen auch bei Köter schon eine Reihe Bands in der Liste…

ist Sänger bei Exhate und Brotkruste

Projekte: xKRIDx sowie noch viele und andere „Sachen“ 😉

spielte bei Killing Spree und Dead Scum

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