Gesichter einer Szene No.43

Gesichter einer Szene Boris_1

Dieses graue Wetter macht was mit einem. Herbst!

Noch vor ein paar Tagen hatte ich, wie immer um diese Jahreszeit, Type O‘ Negatives „October Rust“ im Player. Passender hört sich das Album den Rest des Jahres nun einmal nicht an 😉 An jenem Sonnabend Vormittag legte ich mir aber die neue Opeth auf und bin im Prinzip gleich wieder eingepennt…noch bevor ich die Scheibe auf die B-Seite wenden konnte. Und es lag definitiv nicht an dieser hammergeilen Musik! Naja, irgendwann schraube ich mich ziemlich gerädert hoch, packe meinen Kram zusammen und düse zum Bahnhof, wo ich mich mit Boris verabredet habe. Das Bahnhofsgebäude innen ist ja seit dem Shooting mit -K- „verbrannt“, der Tunnel aber noch nicht.

Diesem möchte ich erst mal eine Chance geben, bevor wir vielleicht woanders hinfahren. Im Tunnel ist es etwas zugig, was jetzt für einen Tunnel nichts ungewöhnliches ist, immerhin stinkt es hier in der Mitte der Bahnhofsunterführung nicht nach Pisse, wie es – meiner Erinnerung nach – am östlichen Ausgang immer der Fall war 😉 Einen Teil der Neon-Beleuchtung im Tunnel möchte ich als räumlichen Akzent auf jeden Fall mit ins Bild nehmen, auch wenn ihr Licht nicht großartig zum Foto beitragen wird, das erledigen nach ein paar Einstellungen zwei meiner Blitze. Zu allem Überfluss muss sich der gute Boris auf meinen Wunsch nun noch seiner warmen Jacke entledigen.Ich fotografiere Boris in einigen Posen, wir kontrollieren ad hoc die Ergebnisse bis sie uns gefallen, so dass ich ihn abschließend noch darum bitte, sich in die Mitte des Ganges zu stellen, um ein „making of“ der Szenerie zu fotografieren.

Was jetzt passiert ist einigermaßen ungewöhnlich. Wir gucken uns auch hier das Foto an, um beide festzustellen: Sieht echt cool aus so. “Hm… ja“ sag ich, „aber, da bist du schon recht klein auf dem Foto.“

„Könnte man nicht was wegschneiden?“

Ich: “Naja, das könnte ich, aber dann geht der Effekt dieses ‘Tunnelblicks’ verloren.”

Boris versteht meinen Einwand, wir packen zusammen und gehen rauf auf den Bahnhofsvorplatz, schließlich soll er mir Stichpunkte seiner Geschichte – welche er mir während des Fotografierens erzählte – noch auf meinen Fragebogen schreiben. Wir haben dann noch etwas Zeit, bis Boris Zug abfährt und labern noch ein wenig im Auto, bis sich unsere Wege trennen. Als ich dann heim fahre, überlege ich schon, mir die letzten Fotos ganz genau anzusehen, vielleicht geht da doch was.

Nun, am Foto oben solltet ihr erkennen, in welche Richtung das Pendel letztlich ausgeschlagen ist…lange musste ich nicht mit mir hadern 😉

Steckbrief:

Boris (29) Maschinenbauingenieur

Fan, Musiker

Boris mochte so um die 13 Jahre alt gewesen sein, als er mal wieder kopfschüttelnd eine dieser „Bravo Hits Vol.xx“ seiner Mutter in der Hand hielt um sich die Frage zu stellen, wozu dieser Mist eigentlich gut sein soll 😉

Doch halt, es gab da auch Ausnahmen bei den Aufnahmen, die Boris für sich entdeckte. Die Toten Hosen.

Also machte er sich daran, die unzähligen CD’s nach Songs der Düsseldorfer zu durchforsten, um sich hernach ein eigenes Mixtape zu erstellen, welches dann in Heavy Rotation in seinem Kinderzimmer lief. So kann es anfangen.

Später gesellten sich auch die Onkelz in die Reihe der Lieblingsbands, richtig los ging es aber mit dem massenhaften Aufkommen der MP3s. Plötzlich konnte man so viel neue Musik kennenlernen! Einer seiner besten Freunde machte ihn dann auch darauf aufmerksam, dass es nun so Metal Zeitschriften gab, denen auch CD’s beilagen. Herrlich, eine neue Welt tat sich für Boris auf. Die Musik von Rammstein oder Six Feet Under begeisterten ihn ungemein, und schon bald stand er – die ersten Nietenarmbänder umgeschnallt – seiner kopfschüttelnden Mutter gegenüber. Boris hing alsbald in den Proberäumen der Stadt ab – ein Verhalten, dass mir sehr bekannt vorkommt – und der erste Konzertbesuch lag in der Luft. Mit Freunden ging es auf die polnische Seite der Heimatstat, nach Gubin zum „Darkside Festival“, bei welchem auch die Band Scram ihre Songs darbot. Deren Song „Desert Storm“ klingt ihm, wie er sagt, bis heute in den Ohren, und die Verzückung war immerhin so groß, dass Boris alsbald selbst Sänger in einer Band werden wollte.

Ist Sänger bei Enter Tragedy

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making of im Bahnhofstunnel Guben

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