Satyricon Live… Blackmetal und kleine Hindernisse

im Beatpol zu Dresden – 23.03.2018

Satyricon Frontmann Satyr blickt in die Kamera

Das erste Mal überhöre ich fast – ob der doch recht lauten Mucke in meinem Gefährt – die drei schrillen Warntöne, welche mit dem Aufleuchten eines gelben Signallichts im Armaturenbrett einhergehen. Öhm, was denn das? Das Lämpchen da kenne ich noch nicht. Hm, es liegt auf der Seite, wo auch die Kühlwassertemperatur angezeigt wird, sollte ich mir Sorgen machen?

Als ich in Schwarzheide einrolle, mache ich mal im Rollen den Motor aus und starte neu. Na bitte, schon ist das lästige Licht verschwunden, is’ eben schon gut 10 Jahre alt die Karre, da kann schon mal was durcheinander kommen. Dennoch beobachte ich die Temperaturanzeige ab jetzt sehr genau, falls…

Kurze Zeit später befahre ich die Autobahn, nur noch eine dreiviertel Stunde bis Dresden, ich liege gut in der Zeit. Keine drei Minuten später erschrecke ich diesmal sehr wohl am Piepton, ähh, vielleicht sehe ich doch mal nach dem Rechten sehen?. Nächste Autobahnparktasche runter, Haube auf, im Manual geblättert, Kühlflüssigkeit kontrolliert – hier könnte mal was nachgefüllt werden.

Auto mit offener Motorraumklappe an einer Tankstelle

Vielleicht reicht es ja in Dresden? Ich gehe nach kurzer Abkühlphase wieder auf die Bahn, diesmal  kommt der Ton fast instant. Ich sehe neben der Autobahn ein Aral-Schild, ziehe gerade noch so rechts in die Abfahrt und einen Kilometer weiter bin ich an der Tanke und gieße destilliertes Wasser bis an die Markierung. So ist es doch sicherer 😉

Ich komme dennoch zur abgemachten Zeit und zur blauen Stunde bei meinem Kumpel Scharelli zu Hause an, von ihm ging auch der Vorschlag aus, gemeinsam mal wieder Satyricon zu besuchen. Ich fand die Idee super, auch wenn meine Flamme jobtechnisch nicht mitkommen konnte. Schnell noch ein Street-Foto, dann klingle ich auch schon.

Unmittelbar nach unserer Begrüßung foppen schon die Kronkorken und wir prosten uns zu, ein geiler Abend soll es werden!

Straßenszene in Dresden mit einer Straßenbahn zur blauen Stunde

Zu uns gesellen sich noch Antje von Enter Tragedy und Kev von Tormentor/Enter Tragedy, die Runde ist fast komplett, fehlt nur noch Scharellis Freundin Kati, die sich freundlicherweise bereiterklärt hat, ihren Konzertbesuch nüchtern zu verbringen, um uns einen Fahrdienst durch Dresden zu spendieren. Mit den Öffis wären wir mindestens eine Dreiviertel Stunde unterwegs gewesen – pro Tour.

Kev hat etwas Hummeln im Hintern, obschon uns Scharelli ein paar gute Scheiben auf den Dreher legt – er hat Angst, etwas von Satyricon zu verpassen und drängt zum Aufbruch. Wir alten Herren gebieten ihm Ruhe zu bewahren, trinken noch ein Pils um dann aufzubrechen. So im Auto zum Beatpol gebracht zu werden ist natürlich viel angenehmer, zumal wir dabei auch Gelegenheit bekommen, in die letzte Sandow Scheibe reinzuhören.

Am Einlass klappt alles ganz gut, die Kamera darf wie ausgemacht mit rein: „Drei Songs, kein Blitz“ klar, so werde ich tun… Naja, vielleicht nicht ganz 😉

Meine Mitstreiter kümmern sich um eine Erfrischung von der Bar, ich will mich um eine gute Position im Publikum kümmern. Denn die Umbaupause ist fast rum.

Jaaaa…ähh, die Suicidal Angels haben wir tatsächlich gar nicht gesehen, was aber keinen der Beteiligten großartig traurig machte. Ich hatte sie im Sommer auf dem Chronical Moshers angeschaut, und das reicht mir für’s Erste auch (ich fand die Show dort ganz okay). Ich verstehe derlei Konstellationen, wie sie in den letzten Jahren fast schon zur Regel geworden sind, eh nicht. Ich hätte lieber eine unbekanntere Band, die vom Stil her zur Hauptband passt, als eine Band mit höherem Bekanntheitsgrad, die aber irgendwie nicht passt.

Ich will nun einem der Ordner, welcher rechts der Bühne steht, verklickern, dass ich nicht aus dem Fotograben fotografieren möchte (nur damit er Bescheid weiß, und nicht denkt, ich mache da heimlich Fotos). Da die Pausenmucke die Konversation etwas undeutlich macht, braucht es drei Anläufe, bis klar ist:  es gibt zwar einen Fotograben, aber, in diesem wird keiner der Fotografen stehen dürfen.  Das ist schon lustig, aber ich wollte da ja eh nicht rein 😉

eine rustikale stuckdecke im beatpol zu dresdenDas Beatpol ist ein echt schöner Club, mit etwas erhöhter Bar, wobei die Innenfläche rechts und links mit verzierten roten Säulen flankiert wird, die hohe Saaldecke schmücken Stuckarbeiten. Das Ambiente stimmt für mich schon mal, ich fühle mich durchaus wohl hier.

Dann geht es auch schon los. Recht unspektakulär beginnt die Band mit dem Eröffnungstrack des neuen Albums, gut, da hätte ich mir auch was anderes vorstellen können. Andererseits, ich habe in diesen Momenten eh alle Hände voll damit zu tun, Fotos zu machen. Drei Songs, wissta ja.

Die Bedingungen sind so lala. Der Club ist sehr gut gefüllt und das ist gut so, das Licht allerdings ist eher grottiger Art, schade.

Nachdem die ersten Songs vorbei sind, schlendere ich an die Bar, bestelle mir ein Bier und geselle mich zu Scharelli, nebenbei mache ich ein paar Fotos von dort oben und lasse die Band auf mich wirken.

Es ist nun um die zehn Jahre her, dass ich Satyricon das letzte Mal sah, sie haben sich in ihrer Bühnenpräsenz nicht wirklich verändert, alles kam mir irgendwie vertraut vor. Heißt, sie waren wirklich gut. Aber auch nicht überraschend 😉

Satyr in action, live im beatpol dresden

Anfangs habe ich tatsächlich so gedacht, na, bissel mau. Aber tatsächlich gelang es der Band um Frost und Satyr mit zunehmender Hitdichte richtig aus sich herauszugehen und die Hütte in einen bebenden Pit zu verwandeln. Mit Song Nummer fünf „Repined Bastard Nation“ hatten sie mich dann auch schon 🙂 Am Sound im Beatpol fand ich im übrigen nix auszusetzen, allerdings bin ich da auch kein Experte, so lange nichts grob ausrutscht passt das für mich.

Satyricon live in Dresden Gitarrist Diogo „Yogy“ Bastos

So ziemlich in der Mitte des Sets – nach „Now, Diabolical“ – gibt es mit „To Your Brethren in the Dark“ meinen persönlichen Lieblingssong der neuen Satyricon Scheibe, die Midtempo Nummer reiht sich nahtlos in die gestandenen Songs der Norweger ein und versprüht eine schöne Portion „evilness“.

Ich drehe immer mal wieder eine Runde durch den Saal und mache da und dort noch ein paar Fotos, wenn die Perspektive und das Licht geil sind. Auf einem der Fotos sieht es später echt so aus, als hätte mich der Frontmann dabei erwischt, so grimmig guckt er genau in meine Richtung 😉

Satyricon live in Dresden - Gitarrist Steinar Gundersen

Ansonsten ist Satyr ganz der Gentleman, bedankt sich mit herzlichen Gesten beim Publikum, bis es nach „Mother North“  in die Zugaben geht, die mit „The Pentagram Burns“ „Fuel For Hatred“ und „K.I.N.G.“ die Gäste noch einmal richtig durchdrehen lassen. Echt geil! Die Band tritt am Bühnenrand zusammen und wird gefeiert. Verdient wie ich meine.

Satyricon - black metal band aus norwegen - Publikumsovationen

Beatpol Konzertgaststätte in Dresden, Ansicht bei Nacht

Ich kaufe am Merch noch ein Leibchen für meine Liebste und einige Minuten später fahren wir auch schon wieder durch Dresdens Nacht. Klar, dass wir  – bei unserem Freund angekommen – noch ein Absacker-Pils trinken, bevor wir irgendwann in die Betten fallen.

Zwei Männer und eine Frau stehen nachts in einer Ladenpassage und rauchen

 

Am nächsten „Morgen“ (es ist doch schon ein wenig später), kitzelt uns die Sonne wach, es ist angenehm mild an diesem Märztag und wir trinken auf dem Balkon erst mal eine Tasse Kaffee.

altes Nokia Handy in den Händen eines Mannes

so gehts auch… ok, mir wäre es etwas zu spartanisch 😉

zwei Kaffeetassen stehen in einem leeren blumenkasten auf einem balkon

Hernach düsen wir rüber zu Katis Wohnung, die uns ein dermaßen opulentes Frühstück auf den Tisch stellt, dass wir echt gerührt sind. Dann lassen wir es uns schmecken.

Unser Treffen neigt sich dem Ende, der Abschied ist herzlich, aber das Wiedersehen – soviel ist gewiss – wird nicht lange auf sich warten lassen.

 

 

 

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