Gesichter einer Szene No.16

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Es ist ja nun nicht so, dass mir Jene, welche sich gern für „Gesichter einer Szene“ porträtieren lassen möchten die offene Tür einrennen. Ich würde mal sagen, es hält sich die Waage mit Denen, die ich von mir aus angeschrieben und gefragt habe. Umso erfreuter war ich, als sich mit Theresa eine Frau bei mir gemeldet hat, denn davon zeigte die Serie bisher noch deutlich zu wenige. Ein Termin war fix vereinbart, schnell ging es an die Frage nach dem gewünschten Ort, wobei klar war, Eisenhüttenstadt. Näher betrachtet werden musste allerdings, ob das Ufer der Oder geeignet wäre, wo ich ob „drohender“ Sonne meine Zweifel hegte. Doch Theresa konnte meine Bedenken rasch beseitigen, indem sie als Alternative das alte Backkombinat in „Hütte“  vorschlug. Das hörte sich verlockend an. „Müssen wir da über einen Zaun?“ war nun meine bange Frage, denn ob ich mit dem Übersteigen derlei Hindernisse noch einmal so viel Glück haben würde, wie beim Shooting mit Shim, schien mir fraglich. „Nee, da gibt es so eine Stelle, wo der Zaun nieder getrampelt ist“ Ok, dann hätten wir ja höchstens mit Störungen durch das Ordnungsamt oder der Polente zu rechnen, aber das erschien uns ein kalkulierbares Risiko.

Wenn ich an mir unbekannten Orten fotografieren werde, versuche ich mir mit Hilfe des Internets ein Bild von der Location zu machen. Also probiere ich mein Glück ein paar Tage vorher, etwas über diese Bauruine in Erfahrung zu bringen, leider ohne Erfolg. Bis auf ein paar verwackelte Pics der Feuerwehr vom Brand im Kombinat 2011 war nichts zu finden. Ich treffe Theresa am Parkplatz vom Kaufland in EH, an welches das Areal des ehemaligen Kombinats angrenzt. Zuerst übersehen wir das Zaunloch, also nochmal zurück, rein und durch’s Gestrüpp zu einem der Eingänge. Da Theresa offensichtlich schon mal hier war, übernimmt sie die Führung. Das Gebäude ist echt abgefuckt, dazu trug vor allem der Brand bei, es gibt nicht allzu viele Stellen, die vom Feuer nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Während wir also einige Stockwerke grob in Augenschein nehmen, merke ich mir Stellen, die für mich in Frage kommen, so richtig überzeugt war ich bisher aber noch nicht. Jeder Schritt hier wird begleitet vom Knirschen durch Glasscherben und Schutt, festes Schuhwerk ist ein Muss, auf den Kopf kann einem nicht viel fallen, das meiste liegt schon auf dem Boden, der Rest macht einen sehr massiven Eindruck. Dritter Stock. Wieder eine große Halle, etwas weniger Brandspuren und ein kleiner Raum, welcher auf der ganzen Front mal hohe Fenster hatte, wahrscheinlich so etwas wie ein Meister-Büro. DAS ist es, sofort habe ich ein Bild im Kopf, hier werden wir das Foto machen. Ich erzähle Theresa sogleich begeistert was mir vorschwebt und beginne mit meinem Aufbau. Unser Gespräch, welches wir schon die ganze Zeit bei unserem Streifzug führten, setzen wir derweil fort. Wenn man sich wirklich vorher noch nicht kannte, ist das immer auch sehr interessant. Die vielen Schnittmengen, die man durch die Metal Szene hat, tragen dazu bei, dass man sich bald so unterhält, als kenne man sich schon ewig. Wir reden über Bands und Konzerte, über Clubs und Leute und ist sich wohl unwissend auch schon einige Male über den Weg gelaufen. Die Fotos habe ich dann natürlich auch fertig und wir können unbehelligt den geordneten Rückzug antreten. Auf dem Parkplatz verabschieden wir uns, nicht ohne uns zu versichern, sich wieder zu treffen, die entsprechenden Möglichkeiten dazu sollten sich beim Neiße Metal Meeting in Guben und natürlich in der Pestbaracke in Hütte(die ich schon ewig nicht mehr besucht habe) ergeben. Ein cooles Shooting liegt hinter mir, es ist Freitag, die Sonne fällt dem Horizont entgegen als ich nach Hause fahre, die Musik ist laut und gut. Auch die Umleitung in Neuzelle kann mich mal, das Wochenende ruft und die Welt ist mein Freund.

Steckbrief:

Theresa (26) Medizinisch-technische Radiologieassistentin

Fan, Organisatorin, Empfangsdame“ bei Pestbaracke, schreibt und fotografiert für metaltalks.de

Theresa sagt von sich, sie sei eher ein Spätzünder in Sachen Metal, nun, das juckt uns überhaupt nicht, besser spät als nie. Der Hang zum Subversiven begann sich bereits abzuzeichnen, als sie in Hütte mit den Punks abhing, doch es schien da noch mehr zu geben. Über frühere Lebensabschnittsbegleiter urteilt man ja recht unterschiedlich und es geht mich freilich überhaupt nix an, aber Theresa’s Ex war letztlich der ausschlaggebende Punkt, der dazu führte, dass sie sich in die Metal Szene versetzt sah. Plötzlich gab es da nur noch Bekannte und Freunde, die Metal hörten und so hörte Theresa dann auch Metal. Um festzustellen: iss ja gar nicht so doof und nicht immer das Gleiche. Richtig! Also suchte sich Theresa fortan selbst aus, was sie hören wollte. Zu der Zeit, hatten Volbeat einen großen Stein bei ihr im Brett. Die Phase, in der man sich musikalisch findet, hinterlässt bei manchem so Leichen im Keller, bei Theresa mochten das so Bands aus dem Metalcore Bereich gewesen sein, sagt sie lachend. Heute hört sie mit Vorliebe Black & Death & Doom Metal und engagiert sich in Hütte bei der Pestbaracke, besucht sehr gern Konzerte, mal mit Stift und Kamera, mal ohne.

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2 Comments

  1. Antworten
    drharti April 20, 2016

    Wie immer- genial Peter! Die Location, das Licht,die Person und der Fotograf-alles passt!

    • Antworten
      peter April 20, 2016

      Danke für das Lob, danke für deine Zeit hier 🙂

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