Gesichter einer Szene No.30

 

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…„hast du schon die ältere Frau mit den langen grauen Haaren und dem „King Diamond“-Shirt gesehen?“ Ich: ,,nee, wo denn?“. Meine Frau darauf: „zeig ich dir nachher, ich sehe sie gerade nicht“. So kam es denn auch, und nach dem Testament Gig letztens im Gladhouse, nahmen wir unseren Mut zusammen und sprachen Angelika an. Für mich war klar, diese Frau möchte ich gern in der Serie haben, denn seien wir ehrlich, Menschen über 60, die Metal Fans sind, und das auch so zeigen, sind nicht all zu oft zu sehen. Wir tauschten also unsere Visitenkarten und ein paar Tage später nahm ich Kontakt zu Angelika auf. Ein Termin war dann auch bald gefunden und so führte mich mein Weg letzten Sonntag nach dem Mittagessen nach Cottbus. Angelika ist Malerin und so überlegte ich mir, ob ich sie vielleicht neben einer Staffelei sitzend fotografieren werde. Man macht sich ja im Vorfeld immer so seine Gedanken 😉 War aber nicht so. Nachdem wir uns begrüßt haben, führt mich Angelika in eines ihrer Zimmer, darin, allerlei musikalisches Equipment. Gitarre, Bass, Effekte, Amps, „…was man so braucht“ sagt sie lachend und ich nicke wissend, ob meiner Bandmember, Musiker eben. Fotografen sind natürlich auch nicht besser, denn haben ist besser als brauchen. 😉 Zuerst suche ich mir ein Eckchen, welches ich für passend halte, nun noch ein Stuhl dazu, worauf Angelika Platz nehmen wird. Da wir gerade so schön im Reden sind, setze ich mich gegenüber, und lasse mir Angelikas Werdegang erzählen. Dabei sehe ich mir ungläubig die 13 Rock Hard Festival Programmhefte an. Hell! Diese Frau hat in den letzten 16 Jahren weit mehr Bands gesehen als ich mein ganzes Leben!!! Darunter solche, wie DIO, Fates Warning oder Threshold, seht euch die Liste mal an! Wirklich beeindruckend und ich merke, Angelika lebt diese Musik, hat zu allen Bands ihre Meinung und macht uns zum nun folgenden Fotografieren erst mal Songs der ersten Agent Steel an! So liebe ich das. Nachdem die Fotos im viel zitierten Kasten sind, und wir noch ein Weilchen gequatscht haben, versichern wir uns ein Wiedersehen und ich rüste ich mich für den Heimweg. Ich bin ja eher so der Typ, der Sonntags zu hause rumhängt, jedoch rüttelt mein Fotoprojekt an dieser, so bequemen Angewohnheit. Und wieder muss ich sagen, es hat sich absolut gelohnt.

Steckbrief:

Angelika (63) Malerin

Fan, Hobbymusikerin

Fragte man Angelika in den 70ern: “Stones oder Beatles?” war ihre Antwort immer “The Who!” „Ich hatte schon immer so einen Hang zum „Starken“, begründet sie es. In der Musik von  The Who lag eben nicht nur Rock’n Roll, sondern auch eine gehörige Portion Unangepasstheit, die sich in unter Anderem im Zerkloppen von Instrumenten am Ende ihrer Shows widerspiegelte. Dafür schlug also Angelikas Herz und so hörte sie in Ost Berlin eifrig Westradio um neue Bands für sich zu entdecken, die diese Art der Musik weitertrugen. Nachdem es Angelika nach Cottbus verschlug, nahm die Anzahl der verfügbaren Westradio-Sender rapide ab. Nicht nur das, auch änderte sich das, was überhaupt zu hören war, drastisch. Immer mehr Sendungen verfielen dem Mainstream, so blieb das Radio immer öfter aus. Außerdem hatte Angelika genug damit zu tun, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Musik verschwand zwar nicht aus ihrem Leben, machte sich aber etwas dünn. Irgendwann, es mochte nun vielleicht 16 Jahre her sein, sah ihr Sohn im Fernsehen eine Live Show von Apocalyptica, und Angelika blieb wie paralysiert am Gerät hängen. Plötzlich war es wieder da, dieses Gefühl, was Musik mit einem macht, was Musik in einem auslöst. Nachdem die CDs  der Finnen den Weg in den heimischen Player fanden, wuchs das Interesse an den Bands, die von Apocalyptica gecovert wurden. Ihr wisst ja was dann passiert, von einer Band geht es zur nächsten, immer Neue werden entdeckt und geliebt und dann fährst du auf dein erstes Festival. Das war für Angelika dann das Rock Hard Festival. Ihre erste Erfahrung im Kreis von Gleichgesinnten war dermaßen umwerfend, dass sie immer und immer wieder die Reise dorthin antrat. Dieses Jahr war es für Angelika das dreizehnte Mal!!!

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3 Comments

  1. Antworten
    Angelika August 5, 2016

    wenn man/frau sein kann, wie man/frau ist, ist sich-fotografieren-lassen gar nicht schlimm! 😉
    Und wenn das, was so losgequatscht wird, auch noch verstanden wird und in so einem netten Text landet, macht es richtig Spaß!
    Meine Vorliebe für Portraitfotos in schwarz-weiß sehe ich hier auch wieder bestätigt. Gefallen mir aber alle.

    Wenn wir uns im Gladhouse oder Muggefug mal wieder über den Weg laufen, mußt du aber keinen Mut mehr zusammennehmen, da freue ich mich auf´s Quatschen! 😉

    Beste Grüße
    Angelika

  2. Antworten
    scharelli Oktober 18, 2016

    Bemerkenswerte Frau! Hut ab!

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