Gesichter einer Szene No.37

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Als ich Jule Ende 2015 mal wieder traf, war das Projekt „Gesichter einer Szene“ noch ganz jung. Dennoch nahm ich die Gelegenheit war, Jule davon zu erzählen, und sie sogleich einzuladen dabei zu sein. Nun, Jules Euphorie hielt sich etwas in Grenzen. Nicht wegen des Fotoprojektes an sich, sondern eher über meine Idee, sie dafür zu fotografieren. Ist eben nicht so ihr Ding, meinte sie. Naja, das Projekt läuft und läuft und ich frage immer mal wieder nach, bis ich schließlich grünes Licht bekomme. Als Ort des Geschehens soll Jules Garten herhalten, wir haben Spätsommer, es ist noch warm, also mache ich mich Samstag Abend auf den Weg, mich den Mücken mal wieder zum Anstich frei zu geben. Jule erwartet mich am Tor der Parzellenanlage, damit ich nicht wie im Irrgarten herumsuchen muss. Ebenfalls im Garten, Jules Freund, und nach der Begrüßung ist Frage eins die Frage nach dem Wunschgetränk. Ich entscheide mich für ein Radler und wir machen es uns erst mal draußen am Tisch gemütlich und quatschen eine Runde. Die Sonne ist schon hinter den Baumwipfeln verschwunden – blaue Stunde – also perfekt, mit dem Fotografieren zu beginnen. Meine Blicke wandern. Ich finde die schmucklose Bungalowwand erst ganz schick, entscheide mich aber dann doch für diese kleine, leicht windschiefe Bank im hinteren Teil des Gartens, wo der Efeu schon auf der linken Seite Platz genommen hat. Den kleinen Schädel von der Fensterbank nehmen wir aber noch mit hinter zur Bank, ich hab gern so ein kleines Accessoire auf meinen Fotos. Ein Licht auf Jule, eines auf den Schädel, der geduckt im Grase liegt – jetzt muss ich nur noch ein Lächeln auf Jules Gesicht zaubern. Dabei hilft mir letztlich Jules Freund, der irgendwann hinter mir steht und das mit Leichtigkeit fertig bringt, derweil ich die ersten Mückenattacken abzuwehren versuche. Drei Einstiche vermelde ich bereits, als Rettung in einer gelb-roten Flasche naht. Noch ein paar Fotos, jetzt muss Jule nicht mehr in die Kamera gucken, was ihr sehr viel besser gefällt. Unsere anschließende Bildkontrolle fällt dann doch positiv aus, sodass wir den offiziellen Teil hier enden lassen können. Wieder am Bungalow machen wir noch ein paar ungezwungenere Aufnahmen und unterhalten uns noch einen Schlag über Musik, denn das ist ja nach wie vor der Aufhänger der ganzen Sache 🙂 Es ist schon eine Weile dunkel als ich gegen 21 Uhr aufbreche, der Heimweg ist kurz, und ein angenehmer Fotoabend liegt hinter mir…das Restwochenende vor mir. Bestens!

Steckbrief:
Jule (39) Friseurin
Fan, Konzertgängerin
Es mochte an einem Sonnabend 1991 gewesen sein, als sich Jule – gequält von langer Weile – auf den Weg aus der Stadt in die nächste Dorfdiskothek machte um, naja, um eben Leute zu treffen. Dies war freilich nicht ihr erster Besuch einer Tanzveranstaltung, dennoch war an einem dieser Abende etwas anders. Sie könnte nicht mal genau sagen, wieso ihr diese Typen in den Lederjacken nicht schon eher aufgefallen waren, zumal sie ein, zwei davon recht gut kannte. Jedenfalls kam nun das Ritual der Metal-Runde – eine schon zu DDR Zeiten in Diskotheken gepflegte Tanzrunde, bestehend aus vielleicht maximal fünf Songs – bei der die Metalheads wie die Hottentotten mal eben die Blueser oder Popper (je nach dem) von der Tanzfläche schubsten um gepflegt abzuschädeln. Das hatte was, und Jule wurde mit dem Virus Heavy Metal infiziert, während einer der ihr bekannten Metaller alsbald auch das erste Mix Tape zusteckte. Darauf natürlich Klassiker wie Maiden oder Accept, denn es galt Grundlagen zu setzen.
Das Schöne an den frühen Neunzigern war, dass man nach Lust und Laune nun diese Mucke auch erwerben konnte, was dazu führte, dass Jule sich bei einer Klassenfahrt in die Tschechische Republik die “Use Your Illusion” von Guns N’ Roses besorgte, wobei sich mit Ägls kreischendem Organ auch wunderbar Stinos (aka Stinknormale) ärgern ließen.Damit fing’s an. Und dabei ist Jule geblieben. Obschon sich ihre Geschmäcker schon in heftigere Richtungen verschoben haben. Mit Sabaton, zum Beispiel, könnte man sie “jagen” 😉 Jule hört heute am liebsten Bands wie Hypocrisy, Devil Driver oder Abbath, gern auch derberen Underground, trifft sich mit Freunden und fährt jedes Jahr zum With Full Force Open Air.

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Jule as a witch 😉

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