Gesichter einer Szene No. 66

eine Frau steht in an einem morastigem Waldesrand
Pinky kannte ich vor unserem Treffen auf den Frostfeuernächten 2018 noch nicht persönlich. Sie hatte sich mal auf meiner Webseite umgesehen und kommentierte etwas auf Facebook, sodass ich ihr anbot, selbst Teil der Serie werden zu können. So verblieben wir locker, warteten, bis sich was ergab.
Als ich dann freitagnachts auf den “Frostis” in sicherer Entfernung vom Raucherbereich draußen ein Bier schlürfend und die Szenerie beobachtend einfach so rum stand, entdeckte sie mich und fragte so ziemlich lässig: „…na Popper, wann wollen wir denn mal ein Foto machen?“ Ich erwiderte, so lässig ich konnte: „…na morgen!“ 😉

Sonnabend: kurz vor unserer Verabredung wurden auch die Grill -und Feuerstellen an den Fressständen wieder entfacht, und da ich wahnsinnigen Hunger hatte, zog ich mir noch fix ne Bratwurscht rein, als Pinky um die Ecke bog.
Ich eröffnete ihr, nach dem Schmaus zu meinem Zimmer zu müssen, um die notwendigen Gerätschaften für ein gelungenes Foto zu holen, dann könne es losgehen. Pinky winkte ab, keine Eile zu haben, wir hätten alle Zeit der Welt. Na dann.

Zu uns gesellten sich noch ihr Ehemann und ein Freund. Mit dem Trolley im Schlepp überlegten wir, wo wir das Foto machen könnten, als noch ein weiterer Bekannter Pinkys sich uns anzuschließen suchte, er wüsste auch eine echt geile Location.
Wie sich herausstellte, war der junge Mann ebenfalls leidenschaftlicher Fotograf und zückte sogleich seine Spiegelreflex um mir auf dem Display die Stelle zu zeigen, die er uns vorschlug.

Seine Fotos machten einen wirklich guten und für unsere Zwecke auch passenden Eindruck, weshalb nun meine bange Frage lautete, ob wir dafür vielleicht um den halben See laufen müssten.
Neiiiin, das ist gleich vorn am Einlassgebäude, und tatsächlich, mir war dieser abgestorbene Wald bei unserer Ankunft auch aufgefallen, zu fünft schlugen wir die entsprechende Richtung ein.
Da es an Helfern nicht mangelte, hatte ich keine Not auf dem leicht abschüssigem Waldboden das Lichtstativ in sicheren Stand zu bringen. Einen Winkel zu finden, der Pinky nicht eben gleich armdicke Baumstämme aus dem Kopf ragen lassen würde, war schon etwas schwieriger. Ganz ohne Gehölz geht es bei so einem Hintergrund nicht, die gefundene finale Position war aber ein guter Kompromiss.
Ich fotografierte gezielt und hoffentlich schnell genug, damit Pinkys Füße nicht gänzlich verkühlten, rasch verpackte ich wieder alles nach etwas zwanzig Minuten waren wir auf dem Rückweg zum Mittelpunkt des Festivals.
Dabei ließ ich mir von Pinky erzählen, wie es ihr so erging, auf dem Weg zum Metalfan. Mit etwas Abstand zum Hauptgebäude, aus dem bereits wieder das Wummern der Bässe zu hören war, blieben wir stehen und Pinky erzählt mir noch, wie sie hier seit ein paar Tagen vor dem Beginn der Frostis mit Freunden dabei war, alles nötige aufzubauen. Sie blickt hinüber zum Treiben, und in ihrem Blick und ihrer Stimme ist zu recht Stolz zu bemerken.

totale - mehrere personen an einem waldrand

Steckbrief:

Pinky (44) Vorarbeiterin inna Reinigungsbude

Fan, Vinyl Sammler

Schon mit vier Jahren saß Pinky am liebsten bei Muddern auf der Küchenbank und hörte Radio, verbunden mit der wachsenden Erkenntnis, dass Musik in ihrem Leben wohl eine verdammt wichtige Rolle spielen würde.

Pinkys Eltern selbst legten allenthalben auch gern mal eine Scheibe auf den Dreher, dabei durfte es gern Iggy Pop mit und ohne den Stooges, oder anderes subversiv-punkig Angehauchtes, sein.

Das färbte auch auf die heranwachsende Pinky ab, sie nahm viel Musik mit dem Rekorder auf, wobei es ihr besonders düstere New Wave/Dark Wave Sachen angetan hatten, namentlich derer von Anne Clarke oder The Cure. Selbstredend ist The Cures „A Forest“ nach wie vor eines ihrer absoluten Lieblingslieder.

Auch wenn Pinky als Berliner Pflanze in einer Millionenmetropole lebt, so war sie dennoch in ihrer Schulzeit eher ein Einzelgänger. Die nach außen gezeigte Unangepasstheit sorgte nicht eben dafür, dass sich die Snobs, Popper oder Normalos gern mit ihr abgegeben hätten. So hatte Pinky in dieser Zeit nur sich und die Musik.

Die wurde mit dem Durchbruch der verschiedenen Metalspielarten auch bei Pinky krasser, so kam zu den bereits liebgewonnenen Bands neue dazu. Mit achtzehn lernte sie ihren Mann kennen – ebenfalls ein Metal-Liebhaber – und gründete mit ihm eine Familie, eine, in der die Musik natürlich eine übergeordnete Rolle spielt.

Heute hört Pinky quasi alles, von AC/DC bis ZZ Top, von Blues bis Metal, besucht gern Festivals und unterstützt tatkräftig die Organisation der Frostfeuernächte.

eine Frau steht in an einem morastigem Waldesrand

eine frau steht in an einem morastigem waldesrand

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