Gesichter einer Szene No.72

Vincent kenne ich nun auch schon ein paar Jahre, vornehmlich als Musiker, dann aber auch in der Form, dass die Korrelationen seiner Mitmusiker und der daraus entstehenden Musik immer irgendwie krass waren.

In letzter Zeit rückte Vincent aber auch durch sein Engagement als Fotograf in meinen Fokus, und immer wenn wir uns da und dort mal über den Weg liefen, erging er sich gern in einer kleinen Lobhudelei zu „Gesichter einer Szene“. Diesen Komplimenten zu begegnen, fiel mir immer nur ein, ihn gleichsam zum Portrait dazu einzuladen 🙂 Tatsächlich war das nicht nur eine Ausflucht, von mir abzulenken, nein, ich schätze Vincents Arbeit und bin immer erstaunt über das Pensum, auch deshalb wollte ich ihn in der Serie haben.

Tja, und da Verderver – Vincents Hauptband – im Oktober auf unserem “Neiße Metal Meeting” zu Gast waren, lag es nahe, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, auch wenn mir klar war, dass es damit nicht die besten Voraussetzungen gab, weil ja jeder von uns da auch mit anderen Dingen beschäftigt sein würde.

Als Verderver anrücken, ist es bereits dunkel, wir begrüßen uns herzlich und die Jungs schleppen ihr Equipment in die Halle, beginnen mit dem Aufbau und dem Soundcheck. Im Anschluss daran zieht es die Herren Backstage, um sich schon mal am üppigem Catering-Buffet zu laben und sich in Blödeleien zu üben 😉 Ich vereinbare mit Vincent, sich in einer dreiviertel Stunde vor dem Club zum Fotografieren zu treffen.

Im Prinzip ist es stockdunkel, bis auf eine Lampe die oben auf dem Flachdach etwas Licht nach unten schickt. Ich baue fix meinen Blitz auf und schon geht’s los. Wir sind etwas in Zeitdruck, denn die erste Band des Abends steht auf dem Programm und da will (und muss) ich dabei sein. Außerdem ist es arschkalt, da helfen auch die fingerlosen Handschuhe nicht lange 🙂 Vincent weiß sich in Szene zu setzen, was uns zeitlich entgegenkommt, schon ruft jemand seinen Namen, okay, wir haben‘s auch. Manchmal muss es eben fix gehen.

Zu einem kleinen Interview kommt es allerdings erst Wochen später. Im Getümmel des Neiße Metal Meeting bot es sich einfach nicht mehr an. Und so treffe ich mich mit Vincent in Berlin, als ich mit meinem Sohn Moritz bei Star.FM dabei bin, für eine Doku über Jakob Kranz Videomaterial abzudrehen.

ein mann sitzt am tisch und schreibt auf einen zettel

Steckbrief:

Vincent, (31) Foto- und Videograf, Freelancer

Fan, Musiker

Nein, du musst als Musikfreak nicht schon mit der Muttermilch mit geiler Mucke infiziert worden sein, warum auch?

Vincent zeigte sich als Kind eher wenig an Musik interessiert. Die Eltern hörten viel Beatles, aber auch Pur. Vor allem letztere Band könnte dafür verantwortlich sein, dass Vincent sich etwas Zeit ließ, mit der Ausprägung musikalischer Vorlieben.

So dauerte es dann eine Weile, bis sich im Teenageralter die Ärzte in Vincents Gehörgänge drängen, nichts wovon er heute noch träumt, aber es war eben ein gewisser Start.
Einen weiteren Anfang markierte zu eben dieser Zeit auch die Gründung einer Band, namentlich „Brainpoor“, durch welche Vincent mit seinen Kumpels die ersten zaghaften selbst fabrizierten musikalischen Gehversuche unternimmt. Die anderen hören viel und gern Marilyn Manson, Limp Bizkit oder Slipknot, also genau die Musik, die bei MTV all jene abgeholt hat, die etwas Krasses, Lautes hören wollten. Naja, und das wollte Vincent auch.

Neben dem beliebten Rumhängen im Proberaum wurde Vincent dennoch genötigt, sich mehr mit einem ihm zugewiesenen Instrument zu beschäftigen, der Gitarre. Vincent ist sich bis heute noch nicht ganz sicher über seine Rolle als Gitarrist, aber er wuchs stetig mit den ihm gestellten Aufgaben.

Fünfzehnjährig besuchte der das „Rock Am Ring“ Festival und sah dort eine Band, deren Name ihm gewiss schon untergekommen war, deren Musik er jedoch bisher ignorierte: Metallica! In jenen Tagen spielten auch Iron Maiden auf dem gleichem Festival, aber Metallica hinterließen einen deutlich größeren Eindruck bei Vincent, mit der Erkenntnis, dass man nicht alles geil finden muss, nur weil es „groß“ ist.

Vincent wird also irgendwie Erwachsen, lärmt mit der chaotischen Band Suffelicious durch die Lande, beginnt ein Studium. Sein Ziel sind Dokumentationen (durchaus multimedial) mit musikalischem Kontext. Um dieses Ziel zu erreichen, schreibt er Anfangs für den Metal Hammer, bekommt dabei einen kräftigen Overload an Mucke und Konzerten, genießt es dabei aber in vollen Zügen, und entwickelt eine Vorliebe für Progressive Metal. Progressive Metal der modernen Art, so wie derer, den zum Beispiel The Hirsch Effekt zelebrieren. Bei all dem erkennt Vincent, dass es Bands gibt, die ein Programm abfahren und jene, die von allem unbeeindruckt ihr Ding durchziehen.

So wie Vincent, der auf der Bühne Gitarrist ist und vor der Bühne Fotograf.

spielt Gitarre bei Verderver und Oaked
spielte bei: Suffelicious und Brainpoor

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