Gesichter einer Szene No. 83

Als ich Bodo für Gesichter einer Szene in Alt Döbern besuchte, war es noch Sommer. Das ist gut drei Monate her und für das Projekt wurde es seitdem recht still. Es gibt eben Zeitabschnitte, da hat man alles Mögliche und Unmögliche zu tun, es bleibt halt was liegen.
Jedenfalls machte ich mich an jenem Samstag bei sommerlich angenehmem Wetter auf den gut achtzig Kilometer langen Weg, um unserer Verabredung nachzukommen, die wir praktisch im Oktober des Vorjahres am Rande eines Tormentor Konzerts trafen. 


Bodo wohnt in unmittelbarer Nachbarschaft eines kleinen Teiches mitten im Ort, und wir kommen überein, dies in das Foto einfließen zu lassen. Auch der Schlosspark in Alt Döbern stand zur Auswahl, wurde aber wegen möglicherweise störendem Publikumsverkehr verworfen. 


Hier im Schatten der Bäume stört uns niemand, das Licht ist gewohnt schnell eingerichtet, nur einer meiner Blitze zickt etwas, sodass das Zweitgerät Verwendung findet. Nach beiderseitigem Einvernehmen, einige gute Fotos auf der Karte zu haben, gehen wir zum kleinen Interviewpart über. Ein kleines Stück weiter lädt eine Sitzgruppe genau dazu ein. 


Wir haben uns gerade ganz gut eingegroovd, als Bodo unvermittelt fragt, ob wir nicht ein Bier dazu trinken wollen. Der Gedanke gefällt mir, und Bodo geht die zwei Pilsener fix aus dem heimischen Keller holen. „…ist aber nur Sternburg“, bemerkt er nach seiner Rückkehr – ich winke ab, das passt schon, hole ich auch ab und an. Ein echtes Traditions- und Szenebier, wenn man so möchte 😉


Wir richten uns auf der Bank neu aus, prosten uns zu und dann hakt etwas, also irgendwie, als wäre …als wäre ich angekettet. Ich schaue an mir herunter und es wird klar, dass meine dicke Kette, an welcher meine Geldbörse hängt, sich in einem Zwischenraum der hölzernen Sitzbretter verklemmt hat. Es ist etwas komplizierter, als ich erst annahm, so stoppe ich die Aufnahme und operiere vorsichtig an der Kette, um sie am Ende nicht zu zerreißen. Schade, dass es von dieser Situationskomik kein Foto gibt 😉


Wir müssen beide herzlich lachen und fahren fort im Gespräch, welches bisweilen die von mir so beliebten Wendungen nimmt, beispielsweise wenn sich mein Protagonist just als Opeth Fan outet, oder heitere Anekdoten aus der Geschichte des “Mosh Gegen Krebs Festival” zum Besten gibt.


Ich freue mich bereits auf ein Wiedersehen…

Der gemeinsame Blick auf den Schmiedsteich …der schicke Springbrunnen schaffte es nicht als Hintergrund 😉

Steckbrief:

Bodo (32) in Ausbildung zum Erzieher
Fan, Veranstalter, Organisator

Die besten Empfehlungen in Sachen Musik kommen und kamen noch immer aus den engen Reihen der Freunde. So auch bei Bodo, welcher recht jungfräulich zur Musik bewegt wurde. Ich schreibe das deshalb, weil Bodo, bevor er mit harter Musik konfrontiert und von ihr überzeugt wurde, quasi im Prinzip, also praktisch 😉 keine nennenswerte Musik konsumierte. Für viele unvorstellbar, aber möglich.


Dabei lebte Bodo als 12- bis 13-Jähriger nicht eben zurückgezogen – vielmehr traf er sich mit eben jenen Freunden und Kumpels nach der Schule gern im Jugendclub, oder noch lieber auf dem Spielfeld um Inline-Hockey zu spielen. Naja, und dort lief im Hintergrund gern Korn, Slipknot und Limp Bizkit, welche die Sportsfreunde ihm damit auch ans Herz legten. Das war für sich genommen auch aufregend, zumindest solange, bis es Bodo nach komplexeren Songs gierte. Fortan informiert und orientiert sich Bodo an Reviews im „Metal Hammer“ um sich CDs selbst auszusuchen, denen er seine Aufmerksamkeit widmete, welches in seine vielleicht erste Lieblingsband mündete, „Children Of Bodom“. 


Das lief eine Weile so, bis Bodo – nunmehr um die sechzehn Jahre alt – im Jugendclub mit Älteren ins Gespräch kam, die noch anders drauf waren. Jene hörten mit Vorliebe Punk und Hardcore und Bodo ließ sich auch gern von dieser rohen, meist auch politischen Musik gefangennehmen und pflegte eine Zeit lang eine Art friedliche Koexistenz mit seinen Metal Vorlieben, besuchte die ersten Konzerte, bis sich das Gleichgewicht schließlich doch mehr in Richtung letzterer Musikform verschob. Wobei: der aufmerksame Fan und Hörer sicher um die trefflichen und gewinnbringenden Konstellationen eben dieser beiden Musikrichtungen weiß – dem gern zitieren Crossover.


Derweil wird auf dem Sedlitzer Sportplatz weiter Hockey gezockt, bis sich die immer gleichen Teilnehmer auf ihre Schläger gestützt überlegen, mal gegen andere anzutreten. Ein Turnier soll es werden, am besten gleich richtig mit Kasse, deren Erlös – so ist gleich zu Beginn der Tenor – zur Hilfe von krebskranken Kindern an die Kinderonkologie des Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus gespendet wird.


Ab hier schließt sich der Kreis Bodos musikalischen Werdegangs in die Gegenwart. Aus dem Hockey-Turnier wurde das weit über Ländergrenzen bekannte „Mosh Gegen Krebs“, welches seit 2012 ein Musikfestival ist, welches durch eine aufopferungsvolle Crew und viele, viele weitere helfende Hände auf der einen Seite dazu da ist, an einem Wochenende Spaß zu haben, und auf der anderen Seite um zu helfen.


Ein hehrer Ansatz, ganz ohne Profilierungsgeilheit oder privatem monetärem Interesse.

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