Rotten & Poor Stage Kill 2017 – Gespräch mit dem Fädenzieher

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Eingang zum Schlachthaus-Stage Kill No.1 2014

 

Im März dieses Jahres stand ich mit meinen Freunden von SCRAM ein letztes Mal für ein Konzert auf der Bühne. Es war ein würdiger Abschluss, an den ich mich gern zurück erinnere. Scram gibt es nicht mehr, die Veranstaltung, in dessen Rahmen wir uns abgeschlossen haben, schon. Das Rotten & Poor Stage Kill. Ich hatte in diesen Frühlingstagen, die das Ende unserer Band beschrieben, eine Art Dokumentation von der gemeinsamen letzten Probe, bis zum Verstummen der Amps auf der Bühne fotografiert und hernach hier in meinem Blog als Reportage zugänglich gemacht. Felix, von Rotten & Poor  fand augenscheinlich Gefallen am Stil der Aufbereitung und fragte mich dieser Tage, ob ich Lust hätte das Rotten & Poor Stage Kill 2017 in ähnlicher Art festzuhalten. Nachdem mir ein Limousinen-Service,  5-Sterne Hotel und ein Sack voller Kohle offeriert wurde, sagte ich schließlich genervt zu. 😉
Um gut vorbereitet zu sein, habe ich mir Laden und Veranstaltung mal genauer angesehen, wobei mir ein paar Fragen in den Sinn kamen, die ich beantwortet haben wollte. Felix kam dann auf die Idee,  die Antworten in meinen Blog zu stellen, weil sich vielleicht auch andere dafür interessieren. Entstanden ist ein kleines Interview, here we go.:

Popper: Felix, gib doch bitte mal einen kleinen Abriss, wer du überhaupt bist.
Felix: Gute Frage – ich würde mich in aller erster Linie erstmal definitiv als eisernen Metal bzw. generell Musikfan bezeichnen. Im beruflichen Leben agiere ich als Promoter und Veranstalter, dessen (pssssst) 16-jähriges Gesicht zuallererst hinter seiner Werbeagentur Rotten And Poor Promotion steht. 
Popper: Gehst Du denn nicht mehr zu Schule???
Felix: Aus Gründen, habe ich die Schule mit der Sommerpause dieses Jahr verlassen.

 

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Felix – head bei Rotten & Poor – Quelle: http://www.rottenandpoor.de/

Popper: Oh… Der Name Rotten & Poor kommt mir echt bekannt vor, die letzte Scram Scheibe hieß “Rich, Rotten & Poor”, sind Ähnlichkeiten beabsichtigt? Wer gehört zu deiner Crew, oder machst du alles allein?
Felix: SCRAM waren der Anfang. Zum Album Release (2010) sollte ich damals den Flyer bzw. das Poster Artwork zur Record Release Show kreieren. Danach nahmen die Dinge ihren Lauf… nach 2 Jahren Arbeit mit diversen Aufträgen von anderen Bands musste dann endlich ein Name her – nach Überlegungen und meiner ständigen Arbeit mit und für SCRAM fand ich “Rotten And Poor” Promotion sehr passend, da der Name eben unsere Entstehung wiederspiegelt. Einmal mit dem Album Titel von SCRAM und einmal auch wörtlich – die Firma ist aus dem “verrotteten Nichts” entstanden. Das wollen wir uns immer vor Augen führen. Ich möchte das wiederspiegeln, woraus wir entstanden sind, und was wir bzw. ich geschaffen habe. Klingt komisch, aber das ist der Hintergrund des Namen. Natürlich ist der Name aber auch grenzwertig, gerade wenn es darum geht neue Kunden und Partner zu finden, aber ich stehe definitiv dahinter. Nichts wird uns zwingen, unseren Namen zu ändern, denn wie sagt man so schön: united we stand, united we fall.

 

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SCRAM & Evil beim ersten Stage Kill 2014 im Schlachtehaus 😉

Popper: Warum solltet ihr euren Namen ändern, habt ihr nicht eine Klientel, die genau das anspricht?
Felix:Mittlerweile promoten wir auch Sachen wie Lena (Meyer-Landrut) Anm.d.Verf. oder Macklemore (keine Ahnung wer das ist) Anm.d.Verf. – “Heavy Metal zahlt nicht” – da muss man aufpassen, wie man was vermittelt. Bisher ist das alles gut und positiv angekommen – aber man weiß nie, was die Zukunft bringt.
Popper: Felix, du sagst, “Heavy Metal zahlt nicht”. Als wohl jüngster deutscher Promoter hätte ich jetzt erwartet, du brichst mit alten festen Konditionen und versuchst dem Genre, dem du entspringst wieder auf die Beine zu helfen, wenn es da so schlecht aussieht. Warum nicht neue Wege beschreiten? Ich frage das so, weil ich in letzter Zeit für “Gesichter einer Szene” immer mal auch Leute getroffen habe, die  geschäftlich im Undergound agieren, die mir nun nicht unbedingt die Ohren volljammerten.
Felix: Der Musik und dem Genre geht es blendend, da muss ich nicht helfen – es geht hier eher um Leute wie mich, die sich überlegen müssen, wie sie an ihren Unterhalt kommen. Allein mit Metal geht das nur bedingt bis gar nicht. Firmen, in diesem Fall Labels wie unsere Freunde von Nuclear Blast können das, da sie Musik ja vertreiben. Ich bin aber kein Label, sondern ein Promoter, der davon abhängig ist, was Labels vertreiben, wo sie ihre Bands auf Tour schicken und wo dann Bedarf der Nachhilfe mit Werbung besteht.
Da ja nun nicht jeden Tag (wenn wir z.B. von Konzerten und Tourneen reden) ein Metal Konzert in einer Stadt ist, man aber jeden Tag ein Konzert, das man promotet, bräuchte um zu überleben, muss man sich überlegen, wie man dann an seinen Lohn kommt. Und da wir eine Agentur sind, die sich um Musik Promotion kümmert, muss man in andere Genres ausweichen. 
Zum Thema Underground: wenn du in dem Bereich irgendwie Ziele verfolgen willst, musst du eine Menge Geld investieren, um kleinen Bands, die ja bekanntlich kein Geld und kein Label haben, etwas zu ermöglichen – z.B. eine CD Produktion. Dein investiertes Geld und deinen Lohn, den du brauchst, gibt dir da aber niemand zurück. Und genau das ist der Punkt, warum man als Werbeagentur keine Underground Themen hochziehen kann. Bei größeren Labels sieht das dann wieder anders aus.

 

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Antimensch im Schlachtehaus 2016…zweites Stage Kill

Popper: Danke für deine Sichtweise, kommen wir nochmal auf das Team zurück…
Felix: Jep, neben knapp 150 Helfern (Flyer Verteiler etc.) in ganz Europa (einer in Afrika) gehören zu Rotten And Poor ca. 20 Menschen, die in ganz Deutschland sitzen und sich fest um alles mögliche kümmern und auf meine Anweisungen warten. Chef der ganzen Geschichte bin ich. Ich bin dabei sozusagen die organisatorische Hand, der “Head of Promotion”, der sich darum kümmert, dass Flyer verteilt werden, Magazine Anzeigen richtig schalten oder neue Kunden an Land gezogen werden. Ebenfalls bin ich seit 2014 der “Head of Stage Kill” und seit 2016 der “Head of Lighting”, was mit unserem zweiten Projekt Rotten And Poor Lighting zu tun hat. (mehr Infos dazu auf rottenandpoor.de)
Popper: Das klingt sehr beeindruckend und danach, dass alle gut davon leben könnten. Veranstalter & Promoter gibt es ja nun schon einige, warum hast du dich für diese Sparte entschieden?
Felix: Weil es das ist, was ich kann. Mit einer Hand auf dem Herzen: ich bin kein Sportler, ich weiß nicht, wie man eine mathematische Wurzel zieht oder warum zwei Atome ein Molekül sind. Abgesehen davon, will ich es auch gar nicht wissen. Ich habe schon immer das gemacht, was ich kann und was ich will. – Bisher fahre ich damit gut. Und naja: no risk, no fun
Popper: Zum Stage Kill 2017.  Du hast für 2017 die Veranstaltung auf zwei Tage ausgedehnt, was ist der Grund?
Felix: Durch Lautstärke, zeitliche Eingrenzung etc. von Seiten der Kulturfabrik Moabit können wir an einem Abend nicht mehr als 3 oder 4 Bands spielen lassen. Ich wollte mehr, das Slaughterhouse als Club aber nicht verlassen, da es eben eine einzigartige Location ist. Das Motto stand jedoch bereits vor der Terminvergabe fest. So entstand dann beim Blick in den Kalender die “2 Tage” Idee (mit 2–3 Headlinern), die wir auch für sehr gut halten. 
Wir werden sehen, was uns unsere Fans berichten werden.

 

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Xicution beim zweiten Stage Kill 2016

Popper: Das bedeutet auch zweimal Eintritt. Ihr setzt bei 30 Euro für einen Tag an, was an sich mit einem Headliner wie Asphyx (am Samstag) ok ist. Ihr bietet aber wiederum keine Möglichkeit ein Doppelticket zu kaufen und vielleicht ein paar Euro zu sparen, warum?
Felix: Hätten wir ein Doppelticket gemacht, würde es auch 60 € für beide Tage kosten. Ganz einfach aus finanziellen Gründen. Daher wollten wir gleich nur Tagestickets in den Verkauf schicken. So hat auch jeder die Möglichkeit zu entscheiden, ob er beide Tage oder nur einen Tag zu uns in das Slaughterhouse kommt.
Wir haben uns die geile Idee ausgedacht, große Bands wieder in einen kleinen Club zu holen und dafür in Kauf genommen, dass das für den Fan ein bisschen teurer wird als ein normales Festival in der Größe. Die Headliner müssen ja davon leben und drücken wegen der Größe der Location ja nun auch nicht den Preis. So viel zu “Behind the Scenes”.
Ich denke aber, für den Preis bekommen die Fans auch etwas geboten, das man so schnell nicht nochmal sehen wird.
Popper: Meine Frage war auch kein Infrage stellen des Konzepts. Euer Motto lautet, “Back To The Roots”. Welche Wurzeln wollt ihr wiederbeleben?
Felix: Wir reisen in eine Zeit zurück, in der die großen Metal Legenden noch in kleinen Bars und Kneipen zocken. Und ich denke, dass sich der ein oder andere Musikliebhaber freuen wird, seine Heroes so nochmal live in Deutschland zu sehen.
Popper: Wie kommt man jetzt am besten an die Karten, sag bitte mal was zum Vorverkauf.
Felix: Die Tickets für unseren Festivalsamstag mit ASPHYX, TORMENTOR, XICUTION, BIONIC ANGEL und einem Special Guest sind bereits im Vorverkauf und exklusiv nur bei der KOKA36.de erhältlich. Die Tickets für den Festivalfreitag mit ENTER TRAGEDY, DEATHSTORM und 2 weiteren Bands gehen demnächst bei selbiger Verkaufsstelle in den VVK.
Alle aktuellen News zum VVK und den aktuell bestätigten Bands gibt es auf unserer Facebook Seite und auf der Homepage Rottenandpoor.de.
Popper: Dann danke ich für das Interview, wir sehen uns dann in Berlin am Flughafen 😉
Felix: Ich habe zu danken, wir sehen uns in Berlin ! \m/
Nachbemerkung: Das Interview ging teilweise in so Richtungen, wo ich vielleicht anderer Meinung bin. Das heißt aber nicht, dass ich irgend etwas besser wissen würde. Ich weiß es nicht, es sind meine eigenen Empfindungen. Nun, und die hier breit zu treten, dazu hatte ich keine Lust. Es war ein Interview, kein Schlagabtausch, weshalb ich auf intensives Nachhaken verzichtete. Iss ja och mein Blog 😉

 

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EVIL!

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Xicution, stilecht und passend aufgehübscht für das Schlachtehaus 😉

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auch schon ein Gesicht der Szene gewesen – Gref Grf

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