Manchmal geht’s ganz schnell. Leo schrieb mir dieser Tage ein Mail, in der er sich kurz vorstellte, und bekundete, gern in meiner Serie „Gesichter einer Szene“ dabei sein zu wollen. Kein Problem. Oder…naja, vielleicht ein kleines, denn Leo wohnt in Berlin. Wenn sich Leute aus Berlin melden, kommuniziere ich erst mal, dass ich in Berlin für die Serie dann fotografiere, wenn ich eh in der Hauptstadt zu tun habe. Ich versuche dann also, es damit zu verbinden. Dazu habe ich eine kleine Liste, deren Aspiranten ich dann zeitnah anschreibe um herauszufinden, ob da terminlich was geht. Bei Leo passte es und so war er die erste Station meiner kleinen Berlin Rundreise, an deren Ende ich im Fotograben bei den Suicidal Tendencies stehen sollte.
Ein altes Foto, welches hier bei mir irgendwo herum geistert, zeigt meinen heutigen Protagonisten mit einer Praktika Spiegelreflex Kamera im Schoß, daran Einstellungen vernehmend. Das war 1990. Maik wusste wohl, was er da tat, denn in unserem Telefonat – das Shooting besprechend – ließ er durchblicken, dass er schon ganz genaue Vorstellungen von „seinem“ Foto hatte. Das gefiel mir.
Für das heutige Shooting mit Heiko gibt es keinen Plan und super Wetter. Wer die Serie etwas genauer verfolgt, weiß nun: denkbar ungünstige Voraussetzungen für ein Foto welches „Gesichter einer Szene“ eine Runde weiter bringen soll. Was tun? Vorab checke ich Maps nach Eisenbahntunneln in der Umgebung des Cottbusser Norden oder etwas von dem ich mir erhoffe, dass es das Sonnenlicht etwas abschirmen würde. Nix, jedenfalls nichts offensichtlich Geeignetes.
Gérard hat sich für sein Foto einen recht speziellen Ort ausgesucht, den selbst angelegten Steingarten seines Kumpels. Ich konnte mir darunter nun alles und nichts vorstellen, aber neugierig war ich auf alle Fälle. Zunächst treffen wir uns bei Gérard in der Wohnung und während er noch so ein Tässchen Kaffee schlürft, erzählen wir uns einen Schlag aus der Jugend, die ja bei uns durchaus viele Gemeinsamkeiten aufzuweisen hat. Berufsausbildung in der DDR, Diskothekenbesuche, der erste Kontakt mit Heavy Metal. Das, was bei mir Tears For Fears ausmachen, ist bei Gérard Billy Idol, und so gibt es unter großer Heiterkeit allerlei Anekdoten zu berichten.