Gesichter einer Szene No. 62 – am Rande der Pestbaracken-Party (pt.2)

Ein Mann sitzt auf dem Boden vor einem Baum

Die beiden Décembre Noir Musiker trotten mit ihren Korbstühlen zurück zur hinteren Klubterrasse, ich sammle mein Gelumpe etwas zusammen, als mir, der Dunkelheit folgend, Simon von Deserted Fear entgegenkommt.

Simon ist heute nun der dritte Musiker, den ich für „Gesichter einer Szene“ fotografieren kann. Viele Möglichkeiten gibt es nun freilich hier in der Schwärze der Nacht nicht mehr, jedoch schlägt Simon sogleich einen Baum vor, der sich uns hier, umgeben von sterbendem Herbstlaub, anbietet.

Unsere ersten Versuche überzeugen den naturverbundenen Schlagzeuger noch nicht ganz, sodass sich Simon entschließt, sich im Schneidersitz auf das moderige Laub zu setzen, in der Hoffnung, dass sich dort keine… naja, könnt ihr euch ja denken 😉

Diese Fotos wirken deutlich stimmiger, wir sind nach kurzer Zeit mit dem Fotografieren fertig, und setzen uns zum Gespräch auf die kleine unbeleuchtete Freilichtbühne im Hof des Gesellschaftshauses.

Simon erzählt seine Geschichte auf eine sehr ruhige Art, jedoch lässt sich immer wieder ein „Aufblitzen“ in seinen Augen erkennen, wenn sie das Licht der Klubterrasse reflektieren, während er spricht.

Zusammen tragen wir meine Geraffel zurück zum Ort des Geschehens. Die erste Band steht bereits auf der Bühne, es geht gleich los.
Ich schaffe es noch, meinen Blitz rechts der Bühne zu installieren, dann legen Bloodpunch sich ins Zeug um die Pestbaracken Party zu eröffnen. Ich sah die Band schon einmal im „Muggefuk“, und auch hier ist der Laden bereits gut gefüllt und die Greifswalder können dem Publikum mit ihrem druckvollem, modernem Death Metal ohne Frage positive Reaktionen abgewinnen. Ein würdiger Einstieg, gute erste Band.

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Nach diesem Auftritt eiere ich Backstage, um mir erst mal ein Bier hinter die Binde zu gießen, ich bin ja nun schon ein paar Stunden hier und finde, das habe ich mir verdient ;-)
Fix noch ein Foto von Bloodpunch für die „Durchgerockt“ Serie und dann bahnt sich auch schon die zweite Band den Weg auf die Bühne.

Soul Demise bieten den Zuschauern ebenfalls recht moderngehaltenen Death Metal mit schwedisch anmutenden Harmonien, welche aber auch von einigen Frickel Parts unterbrochen werden. Beim rechtsstehenden Gitarristen meine ich ein bekanntes Gesicht entdeckt zu haben. Und tatsächlich, als wir später Backstage ein Bandfoto machen, bekennt Alex, bis vor kurzen noch bei Disbelief gezockt zu haben, letztlich musste er aus Zeit- und  Organisationsgründen leider die Band aufgeben.

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Décembre Noir kommen mir in diesem Jahr das zweite Mal vor die Kamera, und ich schreibe es hier gern noch einmal, dass mir sowohl die Musik der Thüringer als auch deren unprätentiöses Auftreten sehr gefallen.
Hier in Hütte wird auch diese dritte Band des Abends wohlwollend und mit viel Applaus aufgenommen.

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Als weitere Höhepunkt der Veranstaltung ist sicherlich der Auftritt von Deserted Fear zu sehen. Die ebenfalls in Thüringen beheimatete Band hat 2017 sicher eines ihrer erfolgreichsten Jahre und ich bin gespannt, wie sich die Band in Hütte „anfühlen“ wird.

Bevor ich die Band richtig genießen kann, will ich natürlich auch ein paar Fotos anfertigen. Das ist leichter gesagt als getan, denn Nebel, der scheinbar aus allen verfügbaren Öffnungen kommt, erschwert die Sicht, und das nicht nur für einen Fotografen!

Ich habe keine Ahnung, woher der Glaube kommt, Atmosphäre entstehe, wenn anständig mit der Nebelmaschine geblasen wird. Ich meine, nichts spricht gegen Nebel, wenn er gezielt, kurz und effektiv eingesetzt wird – gerade diese Nebeldinger, die nur kurze Salven abgeben und deren Partikel sich sehr schnell wieder verflüchtigen sind absolut sehenswert. Hier wabert das Diffuse ewig lange vor sich her. Am meisten ärgert es mich (und auch einige Fans) als im vorletzten(?) Song so gut wie kein Musiker mehr zu erkennen ist.

Egal, davon abgesehen, haben Deserted Fear eine absolut geile Show geliefert. Es wird ja gern von Spielfreude gesprochen. Bei dieser Band ist das Programm. Die Jungs sind permanent am Grinsen, und das ist sicher nicht so ein Grinsen wie die versteinerte Fröhlichkeit welche man von Schlagerbarden und Hype-Fischerinnen kennt. Dieses „Musik leben“ sieht man der Band auch an, wenn sie abseits der Bühne sind, im Backstage, oder eben im kleinem Raum seitlich der Bühne, wo wir nach der Show das „Druchgerockt“ Foto aufnehmen – durchgeschwitzt, voller Adrenalin aber unheimlich glücklich.

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Jetzt heißt es für mich Sachen packen, Bier greifen, Merch ordern (vorher noch meinen Kumpel Lehmie anpumpen, weil ich gar keine Kohle mit habe ;-) ) und noch etwas mit Freunden und Bekannten labern.

An das Team der Pestbaracke: weiter so, hat alles gepasst, war ein toller Abend!

Steckbrief:

Simon (26) Friedhofsgärtner

Fan, Musiker

Hört man gemeinhin von Familienmusik, mag manchem die Kelly Family in den Sinn kommen, bisweilen dazu auch verächtlich gelächelt wird.

Nun, Simons Vater ist Liedermacher und schon als er noch klein war, zogen Simon und seine Geschwister durch die Republik, um in einer Kirchgemeinde hier oder einem Stadtfest dort die Zuschauer zu unterhalten.

Für den kleinen Trommler war das eine feine Sache, so herumzukommen, Land und Leute kennenzulernen – besonders die Spielstätten an der Ostsee sind ihm in bester Erinnerung geblieben.

Neben dem Besuch der Musikschule, welche ihm seine bis heute gültigen Grundlagen beibrachte, schlug Simon auch immer gern den Weg in die städtische Bibliothek ein, um sich so ziemlich alle Ausgaben der „Was ist was“ Bücher zu leihen und seinen Wissensdrang zu stillen.

Beim Herumstöbern fiel ihm eines Tages eine CD in die Hände, welche mit einer fetten Kanone auf dem Cover Simons Aufmerksamkeit weckte. Die zu Hause eingelegte „For Those About To Rock“ von AC/DC faszinierte ihn so sehr, dass der Wunsch entstand, in eben dieser Art Schlagzeug zu spielen.

Mit 14 stellt er sein neues – vom Konfirmationsgeld gekauftes – Schlagzeug im Übungskeller mit dem alten zusammen was eine – quasi – Doublebass Kiste daraus machte.

Während andere in seinem Alter in den Sommerferien am Baggersee rumlümmleten, spielte Simon fünf Stunden am Tag im Keller Schlagzeug. Und sowas zahlt sich aus.

Metallica und Megadeth waren eh schon in seinem Dunstkreis angekommen und das Spiel von Simon – der auch zu einem echten Fan von Children Of Bodom wurde – änderte sich unter den neuen Einflüssen drastisch.

Simons erste Band war eine Mädchenband, mit denen er allerlei seltsame Musik coverte, ihm ging es eben in erster Linie darum zu spielen und darauf zu warten, bis er die richtigen Leute kennen lernen würde.

Die lernte er schon zwei Jahre später kennen und es entstand ab diesem Zeitpunkt eine tiefe Freundschaft und eine Band, die heute sein musikalisches Zuhause ist.

Ist Schlagzeuger bei Deserted Fear

Spielte bei Macbeth

ein Mann steht an einem Baum und sieht an ihm nach oben

Ein Mann hockt an einem Baum und sieht in die Kamera

One Comment

  1. Günter Langhammer Dezember 31, 2017

    War auch mit meinem Sohn in der Pestbaracke,Du hast in allen Punkten recht,war ein geiler Abend.

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