Fimbul Festival – Extrem Musik im Schatten einer Burgruine – Teil 1

Im nun langsam dahin siechendem scheidenden Jahr 2020 über ein Metal Festvial zu berichten, gehört auch bei mir zu den eher seltenen Gelegenheiten – und doch gab es sie, kleine Festivals, wenn auch nur sehr wenige.

Noch im Sommer war ich der Meinung, die Frostfeuernächte 2020 werden unser einziges mehrtägiges Musikereignis bleiben, jedoch rührte sich dann in der Szene doch noch etwas. So erreichte mich wenige Tage vor dem Fimbul Festival – über dessen Eindrücke ich hier Zeugnis ablegen möchte – eine Nachricht von unseren Freunden Anke & Steffen, ob wir Bock hätten, dieses Jahr noch Harakiri zu sehen, und klar, es wäre freilich kurzfristig und auch nicht um die Ecke…lalala… Ja verdammt, natürlich wollten wir!

Der Zufall wollte es, dass der Termin auf unser erstes Urlaubswochenende fiel. Hierbei ist zu erwähnen, dass diese Bandkonstellation nur deshalb zustande kam, weil Helrunar den vereinbarten Slot aus Gründen nicht antreten wollten oder konnten. Ich fand das geil, sollte es uns doch ermöglichen, endlich Harakiri For The Sky zu sehen, was ich nun schon seit einer gefühlten Ewigkeit versuchte. Unser Dank gilt in diesem Fall also Helrunar, denen wir ja Anfang des Jahres bereits in Cottbus unsere Aufwartung machten.

Wir orderten die Tickets und ich begann also flugs mit der Planung der Reise, informierte mich über das Hygienekonzept des Veranstalters und die Campingmöglichkeiten. Denn nicht nur die besonderen Vorschriften im Zusammenhang mit Covid-19 waren neu, sondern auch die Art, wie ich mit meiner J. Übernachten wollte. Weiterhin nahm ich mit dem Veranstalter Kontakt wegen einer Fotoerlaubnis auf, die mir auch recht unkompliziert gewährt wurde. 

Unser Trip beginnt Donnerstag mit dem Verstauen der Camping Utensilien und einem letzten Check der Dachgepäckträger und dem darauf verschraubten Zelt – womit dem geneigtem Leser nun klar wird, wie wir gedenken, in Zukunft zu reisen und zu schlafen – mit einem Klappdachzelt. Unsere bisherige (sehr gute) Erfahrung mit dem Zelt beschränkt sich bis dato lediglich auf einen Einsatz bei einer Metalparty in der Lausitzer Pampa. Nun gilt es, den Umgang mit der Materie zu verfeinern.

Das Fimbul Festival wird auf der historisch-restaurierten Burgruine Bornstedt im Mansfelder Land abgehalten, welche einigen sicher auch als Austragungsort für das “Darktroll” bekannt sein dürfte. Für uns ist dieser Festivalort unbekanntes Terrain, entsprechend neugierig sind wir, wie es wohl sein wird.

Um die ganze Sache relaxed anzugehen, fahren wir Donnerstag Abend zu unseren Freunden in die Nähe von Lübben, übernachten dort, um Freitagvormittag zum Fimbul aufzubrechen. Unser Weg führt größtenteils über ausgebaute Landstraßen, um Leipzig einen südlichen Bogen ziehend, dann über die Autobahn. Das alles dauert einige Stunden, zumal ich meine eh schon immer geringe Reisegeschwindigkeit wegen dem Dachzelt auf 110 Km/h max. beschränke.

Wir beschließen, dass ich dem VW Van hinterherfahre. Dabei gelingt es Steffen, mich geschickt in eine stationäre Geschwindigkeitsüberwachung hineinrollen zu lassen. Ich! Geblitzt! Fast ein Ding der Unmöglichkeit. Die Schmach lässt erst Wochen später nach, als klar wird, beim Bescheid handelt sich lediglich um 10 Euro… 😉

Kurz vor dem Ziel kann man den großen Burgturm bereits aus der Ferne sehen. In der Gemeinde angekommen, steuern wir einen der beiden möglichen Campingrounds für Wohnmobile, Vans und dergleichen direkt im Ort an. Jener ist etwas schwierig zu überblicken, viel Platz gibt es hier nicht mehr, weshalb uns einer der freundlichen Ordner so eine Stelle am Wegesrand zeigt. Wir gucken recht skeptisch, so halb im Schotter (Baustelle war da auch noch) möchten wir dann doch nicht stehen und verkünden, wir probieren es mal auf dem anderen Platz.

Wer, wie vermutlich die meisten, ein Bodenzelt hat, bekommt die Möglichkeit, auf Höhe der Burg auf dem Sportplatz sein Lager aufzuschlagen – das Auto muss dann nach dem Ausladen aus Platzgründen unten im Ort geparkt werden.

Das zweite Camp liegt unweit des Ersten, ist auch gut belegt, jedoch übersichtlicher und in Gänze auf einer Wiese angelegt. Auch hier bemerkt uns sogleich ein freundlicher Ordner, der sich erfolgreich die größte Mühe gibt, für unsere zwei Fahrzeuge direkt neben der örtlichen Turnhalle ein Lücke frei zu bekommen. Nachdem ein, zwei andere Autos von ihren Besitzern noch etwas umgeparkt wurden (Danke nochmal!) wird der Platz reichen.

Der Aufbau des Dachzelts geht naturgemäß recht fix. Plane runter, ausklappen, Leiter arretieren, zwei Heringe in den Boden und die Fenster aufstellen, fertig ist die luftige Behausung mit Ausblick. Nachdem Anke und Steffen ihre Markise am Van ausgefahren haben, gehen wir ad hoc in den beliebten Festivalmodus über und öffnen Dosenbier, um Anzustoßen. Viel Zeit verbleibt uns nicht, denn Invoker legen gleich los.

Um den Auftritt der Jungs noch sehen zu können, müssen wir nun den Aufstieg zur Burg hinter uns bringen. Zuerst geht es relativ beschaulich die Straße bergauf, um an eine Treppe zu gelangen, deren Steigung den gemeinen Flachländler durchaus aus der Puste kommen lässt. Da wir September haben, ist es zumindest nicht auch noch heiß. Oben angekommen liegt rechter Hand das separat umfriedete Backstage-Camp, schräg dahinter der Sport(Camping)platz. Linker Hand erstreckt sich die Burgmauer durch deren große Toröffnung die Gäste ein- und ausgehen und gleichzeitig die Bändchenvergabe organisiert wird.

Da das Festival gerade dabei ist, anzurollen, staut es sich etwas. Schon hier legen die meisten ihre Masken an, für welche es im Innenbereich klar definierte Situationen und Orte gibt, wo diese ohne Wenn und Aber getragen werden müssen. Im Groben sind das Verkaufsstände jeder Art, die sanitären Anlagen, der Ein- und Ausgangsbereich und die…na sagen wir mal Tanzfläche. Letztere ist klar zu erkennen und befindet sich eben genau vor der Bühne. Es gibt da und dort immer wieder Hinweise oder Hinweisschilder, die zwar ernst gemeint, aber mit einem gewissen Humor gestaltet worden sind.

INVOKER

Als wir schließlich im Innern der Burgruine sind, haben Invoker bereits begonnen. Wir holen uns Bier und genießen den Auftritt der Köthener Band. Etwas über zwei Jahre ist es her, dass ich Invoker auf einer Mini-Tour mit Antimensch gleich vier Mal hintereinander sehen konnte. Schon damals ist vielen Beteiligten regelmäßig die Kinnlade nach unten geklappt. Die Qualitäten der Band sind nach wie vor überragend und bilden somit einen richtig guten Einstieg in – ja, in das, was bis Anfang 2020 als normal galt – ein Metal Festival, mit allem Drum und Dran.

Nach dem Gig genehmigen wir uns noch eine Suppe und sitzen auf einer der urigen Holzbänke an einem ebensolchen Tisch, quatschen mit Bekannten, lassen den Blick über das kennenzulernende Ambiente schweifen und genießen die Atmosphäre, welche von der schon tiefstehenden Sonne in so zauberhaftes, schon herbstliches Licht getaucht wird. 

Dann erfolgt erst mal der Abstieg, da wir noch ein paar Handgriffe an unserem Camp vornehmen wollen, welches wir doch ziemlich abrupt verlassen hatten. Ich möchte unser Vorzelt via Reißverschluss an unser Dachzelt zippen, muss dazu aber das Auto aus Platzgründen um einen halben Meter versetzen. Das Zelt bleibt aufgeklappt, ich fahre ja dabei keine Rallye 😉

Zur blauen Stunde beginnen wir unseren zweiten Aufstieg – ein ständiges “mal vor die Bühne, dann mal auf ein Bier ans Zelt”, soviel ist allen klar, kannst du hier vergessen, es sei denn, du bist sportlich so gut konditioniert, dass dir die Treppen nichts ausmachen wird. Wir sind es definitiv nicht!

Als Nächstes sehen wir also Nornir aus Freiberg. Die Combo um Frontfrau Lethian bot lupenreinen bodenständigen Blackmetal, der finsterer nicht sein konnte. Rasend schnelle Riffs und herrliches Gekeife hinterließen einen sehr starken musikalischen Eindruck, naja, und dunkel war’s ja mittlerweile auch.

NORNIR

Es geht auf den (meinen) Höhepunkt des Abends zu. Bis es soweit ist, schlendern wir mal über den Burghof, zischen da ein Bier und beobachten die Szenerie während Gernotshagen aufspielen. Gerade vor der Bühne fällt auf, wie wichtig es dem Veranstalter ist, dass die Regeln eingehalten werden. Sollte mal jemand vergessen, seine Maske aufzuziehen wird er nach einer gewissen Zeit angesprochen.

Danny & J.

Es gibt zwischen den Gigs auch immer mal Ansagen, die klar machen sollen, dass die Sache ernst genommen wird und man interessiert ist, sowohl das gesundheitliche Risiko für alle im Zaum zu halten, als auch, dass man keine Lust verspürt, wegen ein paar wenigen unkooperativen (freien) Nasen eine empfindliche Strafe an das hiesige Gesundheitsamt abzudrücken. Generell können wir attestieren, dass die Bemühungen groß, die Umsetzung gut und die Gäste sich zum allergrößten Teil auch daran gehalten haben.

Kurz nach 22 Uhr betreten Harakiri die ringsum illuminierte Burgbühne und ich muss sagen, ich freute mich sehr, Harakiri For The Sky endlich live zu erleben. Die Band um M.S. und J. J. begeistert mich von der ersten gespielten Note. Einzig Live-Bassist Thomas Dornig ist heute nicht dabei, was etwas Schade ist, da ich gerade auch seine sympathisch, offene Art mag. Natürlich lassen die anderen Mucker wie Gitarrist Marrok (Anomalie) und Wahnsinns-Drummer „Beard Machine“ nix anbrennen.Nachdem die Band die Bühne verlassen hatte ertönte „Mad World“, zwar nicht im Original von Tears For Fears, und auch nicht in der Version von Harakiri selbst…aber immerhin von Gary Jules. Was für ein Konzert!

Harakiri For The Sky

Ich bemühe mich natürlich um ein „Durchgerockt“ Foto, und habe das Glück, dass die Jungs sich sofort kurz für mich Zeit nehmen. Ich hätte freilich auch respektvoll gewartet, aber so komme ich schneller zu meinem Bier, denn meine Kehle ist etwas trocken, nachdem ich bis auf die ersten drei Songs viel am Fotografieren war.

Zum Abschluss des Abends haben wir das Vergnügen, Wandar wieder zu sehen. Nachdem ich die Hallenser Band bei den Frostfeuernächten erstmals live sehen konnte, erlebte ich auch dieses Mal ein absolut hörens- und sehenswertes Konzert. Auch Wandar agieren auf hohem musikalischem Niveau und zelebrieren ihren Black Metal als homogene Band. Ein gelungener Ausklang für Tag 1 auf dem Fimbul Festival.

WANDAR

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