Gesichter einer Szene No. 79

An jenem Sonnabend, an dem ich am Rande einer Gartenparty bereits Maximilian für die Serie fotografierte, hatte ich mir auch vorgenommen, mit Philipp einen weiteren Fan vor die Kamera zu bitten. Bis es soweit war, begaben wir – in diesem Falle meine J., Sohn Max und eben Philipp – uns am frühem Samstagnachmittag auf einen kurzen Trip nach Aue, dem Sitz des Proberaums von Max’ und Philipps Deathmetal Projekt „Tide In Fear“.

landschaft nahe aue, berge, grüne wiesen, bäume

Hier vor Ort wollen wir uns ein erstes Mal livehaftig vom Sound des Duos überzeugen, und nachdem die Drummaschine via Smartphone angeschmissen war, flitzte das Plek über die Saiten Maxens weißer „Max XXX“ LTD und Philipp röchelte mit derlei Inbrunst in sein Mic, als galt es, anstürmende Zombiehorden auf Abstand zu halten 🙂

Phillip am Mic

Da es in den letzten Wochen nur sehr spartanisch Möglichkeiten gab, irgendwie handgemachte Musik zu erleben, bitten wir die beiden die Tracks des zukünftigen Demos ein zweites Mal zu zocken – auch, um unseren Favoriten nochmal zu hören. Und wie schon beim Besuch im Tormentor Proberaum einige Wochen zuvor, ist es ein geiles Gefühl…auch wenn es hier wie dort recht warm im Raum ist.

Im Anschluss machen wir noch fix zwei drei Bandfotos und nachdem draußen auf der Bank noch eine Zigarette geraucht wurde, geht’s auf schmalen Schleichwegen zurück nach Zwönitz.

Szenenwechsel: Im Garten ist die die Party dabei sich warm zu laufen, und bevor wir allzu viel verpassen, gehe ich mit Philipp und leichtem Fotobesteck auf die Suche nach einem geeignetem Ort für unser Foto. Mir schwebt dabei bereits so eine Idee vor, welche mir im Zusammenhang mit Philipps Engagement als „Hüter von Geäst“ gekommen war. In die Richtung in der wie nun gestartet sind, gibt’s jetzt allerdings keinen Wald, so nehmen wir mit den Bäumen am Wegesrand vorlieb, ihren Zweck werden sie dennoch erfüllen.

Die Fotos sind recht fix gestaltet, somit bleibt mir mehr Zeit, um die Geschichte von Philipp anzuhören. Wir gehen ein Stück zurück in Richtung Garten und bleiben auf halben Wege auf einer Gabelung am Rande auf dem Asphalt sitzen. Zwei Kronkorken zischen, und wir tauchen ein in seine Geschichte, schweifen ab, reden über die Klimakatastrophe, kommen wieder zum Thema, reden Mucke… es sind jene Momente, die ich so schätze, mit Menschen zu reden, die Musik leben und dazu mit ihren Gedanken auf der Höhe der Zeit sind.

Als unsere Flaschen ihren untersten Pegel erreicht haben, packen wir alles zusammen und gehen die letzten Meter zum Garten. Es bahnt sich ein fantastischer Abend an, mit weiteren geistreichen Gesprächen, jedoch: nicht bevor wir bei Licht des scheidenden Tages noch ein Gruppenfoto machen…

Steckbrief:

Philipp (27) Altenpflegefachkraft

Fan, Musiker

Der sich im Jahre 2001 auf starkem Rückzug befindliche Kommunikationsträger Audiokassette, war im zartem Alter von acht Jahren jenes Medium, welches es dem Steppke Philipp mittels Sony Walkman ermöglichte, ganz für sich in die Welt von Rammstein einzutauchen.

Zugespielt wurden ihm die Tapes von einem Kumpel, dessen Vater die zugehörigen Original CDs besaß, und in Philipp – der bis dahin Musik nur als etwas eher belangloses aus dem Radio wahrgenommen hatte – breitete sich ein ganz neues Interesse aus.

Nach diesem ersten Eintauchen in die harte Musik, entspann sich ein reger Austausch mit anderen Mitschülern, welche ihm zum Beispiel die erste Slipknot empfahlen, was einen weiteren Trigger-Moment bei unserem jungen Hörer auslöste und dazu führte, dass Philipp weiter in diesem Genre nach Beute fischte…

…bis ihm sein Großcousin 2006 die „Christ Illusion“ von Slayer mit der Frage „…sind deine Eltern christlich, oder so?“ als Leihgabe anvertraute. Um die Bedenken zu zerstreuen antwortete Philipp in der Art, wie „…keine Ahnung, ich glaube nicht.“ was durchaus auch ein Bekenntnis sein kann 😉

Ab diesem Zeitpunkt verschob sich Philipps Interesse zu deutlich härteren Bands, bis der Besuch seines ersten „Brutal Death Metal“ Konzerts im AJZ-Chemnitz mit Bands wie Cytotoxin oder Torture The Mass in 2011 Türen öffnete, die ihm nach Durchschreiten eine ungeahnte Welt (in diesem Sinne) von sehr krassen Undergroundbands zu Füßen legte.

Darin immer neue, völlig unbekannte Bands zu entdecken, verknüpft Philipp dieser Tage damit, sich nebenher einigen Genres zu widmen, die er bislang außen vor gelassen hatte. So vertieft er sich sukzessive mit Begeisterung in den Underground Black Metal, der Musik aus den Anfängen des Death Metal in Florida oder Skandinavien, oder widmet sich jenen Heavy Metal Klassikern, die an ihm vorbeigingen.

Wenn Philipp der Sinn nach absoluter Ruhe und Zerstreuung vom Alltag steht, zieht es ihn auf Wanderungen in die Wälder seiner erzgebirgischen Heimat. Dabei hat er auch immer einen Müllbeutel, um den Abfall jener zu beseitigen, die sich einfach nur asozial verhalten. Philipp dokumentiert bisweilen seine Trips in Wort und Bild als „Hüter von Geäst“ – eine gute Aktion, Umweltverschmutzern den Spiegel vorzuhalten.

Ist Sänger bei Tide In Fear.

War Mitglied bei Infernal Baptism.

vor dem proberaum

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