Gesichter einer Szene No. 74

In „Gesichter einer Szene“ markiert Folge 39 mit -K- den Einstieg darin, die Jungs von Arroganz in das Projekt aufzunehmen. -T- wurde im Oktober 2017 fotografiert. Ich habe Arroganz schon lange in mein Herz geschlossen, sowohl in musikalischer Hinsicht als auch in menschlicher. Es fehlte von der aktuellen Besetzung schließlich noch -P-, und das zog sich durchaus etwas hin.

Getroffen haben wir uns da und dort – vorgefühlt, gequatscht und uns versichert: Bei der nächsten Gelegenheit machen wir aber das Foto! Es ist eben manchmal ein zäher Prozess, ohne, dass man der Sache zu viel Bedeutung zukommen lässt, irgendwie hat man immer das gute Gefühl, dass sich der richtige Zeitpunkt schon ergeben wird.

Ende 2018 – beim X-Mas im Muggefug – zogen wir es dann endlich durch.

Da Arroganz an diesem Abend den Hauptact stellen, haben wir theoretisch viel Zeit… wie man es nimmt. Ich bin so gegen 19:00 Uhr mit meinem Anhang im Club, versorge mich mit Bier und treffe auf -P-, welcher gerade den Merchstand herrichtet. Herzlich begrüßt mich der Lange und wir verabreden uns zu in einer Stunde im Backstage.

Ich nutze die Zeit und schaue mich um. Ich kenne das Backstage hier recht gut, hab schon zu Hause überlegt, wo und wie.  Eine Sache ließ mich dann doch nicht los – das Herren-WC!

Ich guck’s mir also nochmal an, befinde es für okay, dabei nicht zu räudig, es geht so, es ist eben ein WC in einem Backstage in einem Live Club. Einzig der Platz macht mir etwas Sorgen.

-P- kann ich mit meiner Idee später nun nicht eben schocken. Lapidar entgegnet er „Okay“, in der Art wie es Fotografen lieben, in der Art wie es Fotografen hassen. So heißt dieses „Okay“ doch: „Ich vertraue dir“, ebenso wie es diesen Druck aufbaut, einfach mal zu verkacken.

ein mann mit kaputzenjacke steht in einem herrenklo

Gehen wir es an. Ich hebe zuerst die Tür aus den Angeln um meinem Blitz – welcher in Klobox 1 ein Zuhause gefunden hat – Freiraum zu verschaffen. Auch mich hätte die Tür gestört, da ich vom Vorraum aus Fotografieren muss, um das auf’s Foto zu bekommen, was mir wichtig ist. Also den -P- und mindestens ein Pissoir 🙂

-P- kommt als Musiker viel herum, wenn die Band in einer heißen Phase ist, sind Backstages sein zweites Zuhause, wie auch die Klos, die dranhängen. Und so fällt es ihm nicht schwer, sich entsprechend in Pose zu bringen.

Ich für meinen Teil mache Licht und halte die Kamera so lotrecht wie es nur geht aus der größtmöglichen Entfernung, um stürzende Linien zu vermeiden, die sich im Fugenbild der Fliesen böse rächen würden. Was nicht zu vermeiden ist, muss die Software später richten. Zwischendurch müssen wir kurz mal jemandem Platz machen, der sich an einem der Becken erleichtern möchte, kommen aber dann ohne weitere Störung zügig zu den gewünschten Ergebnissen. Fertig: ich hänge die Tür wieder ein.

wildtierköpfe in plastiksäcken auf einem fliesenboden

Etwa eine Stunde später werden säckeweise frische Wildtierköpfe aus den tiefen brandenburgischen Wäldern ins Backstage geschleppt und für die Bühnenshow drappiert. Sick! Arroganz wissen immer wieder mit neuen Ideen für ihre „Deko“ zu gefallen, dabei in ihrer musikalischen- wie charismatischen Ausstrahlung dennoch als das Wesentliche über diesen optischen Reizen zu stehen. Ein sehr geiler Gig, innerhalb eines sehr gelungenen Konzertabends.

Wir wollten mit -P- natürlich auch noch ein Schwätzchen für den Steckbrief halten. Das haben wir dann doch nicht geschafft. Nachgeholt haben wir es telefonisch an einem Samstagabend im Februar. Dabei ich mir eine Ulver Scheibe aufgelegt hatte, die mir mit einer Flasche Bier die passende Untermalung für unser ungemein angenehmes Gespräch bescherte.

Steckbrief:

-P- (29) Geldverdiener 😉

Fan, Musiker

Seine Kindheit verbrachte -P- in Lichtenstein, was nur insofern von Bedeutung ist, da es im Ort eines dieser üblichen Jugendzentren gab, die es eigentlich fast überall gibt.

Als Heranwachsender spielt -P- mit Begeisterung Basketball, der Sport füllt ihn freizeitmäßig gut aus. Jedoch, irgendwann, überschreitet man als Stift so eine magische Altersgrenze, die vielen Eltern ungefragt gern auch mal ganz neue Seiten ihrer Sprösslinge aufzeigt. So dreht -P- mit 14/15 nicht nur in der Turnhalle den Ball dribbelnd seine Runden, sondern trifft sich nach der Schule und dem Sport auch gern mit Kumpels im schon erwähnten Jugendzentrum – dem „JZ Riot“. 

In dieses Jugendzentrum ergibt sich für -P- der erste Kontakt zu Musik – also abseits der Musik, die täglich so um ihn herumdudelt, und der er aus Gründen der Langweiligkeit eh keine Bedeutung beimaß. Im „JZ Riot“, der Name lässt es schon vermuten, lief derlei nicht, sondern Hardcore, Crossover, Punk und Metal. Diese Saat fiel beim jungen -P- auf fruchtbaren Boden.

Derart musikalisch bespaßt, veränderte sich auch das Jugendzimmer von -P-. Die Sportposter wurden sukzessive von Tourplakaten der Bands überkleistert, die im JZ Riot Station machten.

Dabei: sein erstes Konzert das Release von Narziss‘ „Neue Welt“ und eine erste musikalische Offenbarung durch die belgische Band „Negate“ in guter Erinnerung blieben.

Auch sehr schön: Im Jugendzentrum gab es Instrumente, die frei zugänglich waren, es wurde viel rumprobiert, Gleichaltrige taten sich zusammen, um zu jammen. Fehlte in der einen oder anderen Konstellation ein Instrument, konnte es passieren, dass man in der einen Woche noch Schlagzeuger war, und sich in der nächsten mit Gitarre auseinandersetzen musste. 

Das half -P- natürlich in seiner musikalischen Entwicklung ungemein. Mit vierzehn gab’s die erste eigene Gitarre, und -P- schlug jenen Weg in seinem Leben ein, der ihm heute der Wichtigste ist – Musiker zu sein. 

Unterstützung gab es hierbei aus dem Umfeld des Jugendzentrums. Die Bands damals hießen The Nightmare Within, Aftrer Rising Sun und Unifight. Mit ca. 19, 20 Jahren gab es auch mal eine Zusammenarbeit mit Moshquito, der Szenegröße in Sachsen, und eine der geilsten, richtig harten Bands der DDR.

Durch die vielen Engagements bei Bands, die -P- heute als Jungendsünden bezeichnet, welche ihm aber unheimlich wichtig sind, erweiterte er natürlich auch sein Netzwerk.

Etwas später steckte ihm jemand, dass eine gewisse Band aus Cottbus einen neuen Gitarristen suche. Es wurde Kontakt hergestellt und dann musste alles ganz schnell gehen, die ersten Shows standen bereits an. -P- zog sich die Songs rauf und traf die Jungs von Arroganz 2013 das erste Mal unmittelbar vor seinem ersten Konzert mit ihnen in Hamburg beim Release des Albums „kaos.kult.kreation.“

Gitarrist bei Arroganz

Schlagzeuger bei Morbus Kinski

Soloprojekt: Gryphus

köpfe von wildtieren sind auf pfähle gepießt

ein mann mit kaputzenjacke steht in einem herrenklo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.