Gesichter einer Szene No. 78

Seit es unseren Sohn ins Erzgebirge verschlagen hat, sind wir immer mal wieder zu Besuch in dieser schönen Gegend. Das letzte Mal – so glaube ich – nach dem Chronical Moshers Festival 2018, einfach um noch ein bisschen zu Chillen, bevor es in die Lausitz zurückging. Auch für „Gesichter einer Szene“ habe ich hier schon fotografiert, die letzte Story dazu kam vor fast vier Jahren aus Schwarzenberg – der Perle des Erzgebirges.

ortseingangsschild von zwönitz/erzgebirge aus dem auto heraus fotografiert
Anreise – kurz vor dem Ziel

Damals ging es um Fongs, einem urigen Motörheadfan und Kneiper aus eben jener Stadt und für mich und meine J. war Eines ganz klar: wenn wir in der Nähe sind, müssen wir in die „Bierkneipe zum Fongs“, dem bärtigem Freund einen Besuch abstatten!

Freitag:

Dieser Kurztrip von Zwönitz aus sollte gegen 19 Uhr starten, was uns zu Maximilian bringt – einem meiner für das Projekt avisierten Metalfans – welcher sich freundlicherweise bereit erklärt hat, uns drei und sich selbst zur Schänke zu fahren.

Maximilian soll, so die Legende, ab und an nach anstrengender Schicht auf der Kloppe, dem tiefen Schlaf anheim fallen, bisweilen so tief, dass auch 100 Anrufe und Kurznachrichten nix daran ändern 😉 Und so scheint er tatsächlich heute seinen Einsatz zu verpennen. Kurz bevor ich selbst schon nervös die Autoschlüssel in der Hand habe, klingelt unser junger Freund doch noch rechtzeitig und wir düsen los, um kurz darauf Fongs und einige andere gute Bekannte herzlich begrüßen zu können – es gibt Bier.

Fongs – Kneiper und Motörhead Fan

Ein würdiger Einstieg in das Wochenende, welches am Sonnabend in einem Garten bei einer Party mit den Freunden unseres Sohnes seinen Höhepunkt finden wird. Und hier setzt nun auch das Fotoprojekt wieder ein – welches in den letzten Monaten ein doch sehr beschauliches Dasein fristete – was nicht unbedingt in meinen Händen lag.

Sonnabend:

Nachdem wir Einiges, was man für solcherlei Party benötigt – also in erster Linie Bier – in den Kofferraum geschoben haben, steuere ich den Garten an, wir laden aus, stellen die Karre an den Rand des Weges, begrüßen die Gastgeber und ersten Gäste und öffnen ein kühles Pils. Es entspinnen sich recht schnell angeregte Gespräche und ich komme nicht umhin, Maximilian hochzuscheuchen – weil, wir haben ja noch was vor.

Ich hatte mich derweil schon etwas hier umgesehen und meine Blicke blieben immer wieder an dieser hölzernen Hütte mit dem Steinhaufen davor und der unmissverständlichen Botschaft „FCK AfD“ an der Tür hängen. Wir befinden, hier einen genau passenden Hintergrund gefunden zu haben und ich stelle den Blitz auf , richte ihn ein und stelle Maximilian an die Bretterwand. Dabei: Der markante Schriftzug wird zwar fast verdeckt sein, jedoch in den Köpfen der Gäste ist er präsent.

Am Rande so einer sich gerade entwickelnden Party sind wir freilich etwas unter Beobachtung, aber mein „Model“ ist cool genug und lässt sich höchstens einmal aus dem Konzept bringen 😉 Es folgen ein paar Testaufnahmen, dann wird es ernst, nach etwas über fünf Minuten bin ich sind wir mit den Ergebnissen zufrieden.

Wir schnappen uns ein Bier gehen ein paar Meter die Wiese runter und setzen uns ins Grün um mit dem Interview zu beginnen, welches mir den musikalischen Weg meines Gegenübers aufzeigen wird. Der folgende Steckbrief gibt Auskunft darüber…

Steckbrief:

Maximilian (25) Werkzeugmechaniker

Fan

Für Maximilian bestand als Kid nicht unbedingt die Notwendigkeit, sich ernsthaft mit Musik zu beschäftigen, warum auch? So hörte er mal hier mal dort die Musik, die ihn gerade umgab, wobei seine Eltern mit Rap (Mutter) oder Hardrock/Metal (Vater) ja durchaus Möglichkeiten boten, die Fühler auszustrecken. Soweit war es aber noch nicht, und wenn, dann mochte er zu dieser Zeit Rap am ehesten.

In der Mittelschule wurde es dann schon konkreter, einige der Teenager hörten dort Punk, Rock oder Metal und bei Maximilian fuhren langsam die Antennen aus. Mit „Jazz ist anders” von Die Ärzte machten sich in ihm erste Ohrwürmer breit, was schließlich darin mündete, mit seiner Tante ein Konzert der Berliner Punks am Dresdner Elbufer zu erleben…sein erstes Rock- sorry, Punkkonzert!

Das Konzert hinterlässt Spuren, immer öfter hört er bei des Vaters Musik zu, die sich aus Bands wie AC/DC, Manowar, Maiden und Metallica zusammensetzt. Dabei kommt es dann zu Maximilians musikalischem Urknall: Thunderstruck vom „The Razors EdgeAlbum erstgenannter Australier von 1990 knallte dermaßen in seiner Birne, dass er sich unbedingt weiter mit dieser Band beschäftigen musste. Tja Leute, so wird man ganz schnell zum AC/DC Fan!
Als fast schon logische Konsequenz folgte er 2009 der Einladung seines Vaters auf ein Konzert der Kultrocker in Leipzig. Auch einem Mitarbeiter – Maximilian war inzwischen berufstätig – war aufgefallen, wo das musikalischem Herz des Kollegen schlug und fragte, ob es nicht Zeit für das Wacken Open Air wäre. Nun, ähh, ganz sicher war sich unser junger Freund angesichts der doch für ihn noch vielen unbekannten Bands nicht, jedoch, warte mal: Motörhead? So ging es also zum ersten Mal nach Wacken.
Wie es in der Szene so üblich ist, lernt man ständig neue Menschen kennen, so auch Maximilian, dessen Freundeskreis sich nun immer mehr aus Metalheads jeglicher Couleur rekrutierte. Er lernt so immer mehr Band kennen, erkennt Zusammenhänge zwischen ihnen und den Musikern, besucht erstmals das Full Force und revanchiert sich 2016 bei seinem Vater mit einer Einladung auf das Wacken Festival, wo Vater und Sohn im Kreis Gleichgesinnter ihre Musik abfeiern.


Es ist noch nicht so lange her, da hörte Maximilian aus dem „Schwesternzimmer“ recht ungewohnte Rhythmen. Für ihn waren sie nicht ungewöhnlich, jedoch, dass seine jüngere Schwester nun auch Gefallen am Metal zu finden schien, schon. Wie ihr euch vorstellen könnt, dauerte es danach nicht lange und die Beiden besuchten zusammen ihren ersten Gig 🙂

One Comment

  1. Bernhard August 22, 2020

    Wenigstens ging das Bier nicht aus 🙂

    LG Bernhard

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